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Smart Home gefährdet Privatsphäre

Das Smart Home sammelt permanent wertvolle Daten, die zur Verbrechensbekämpfung genutzt werden können. Nach Plänen der Innenminister sollen diese künftig vor Gericht verwendet werden dürfen. Dabei rechnen die Politiker mit Widerstand von Datenschützern – kein Wunder, sagt Luis Corrons, Security Evangelist bei Avast – nachfolgend sein Statement.

Solche Daten für die Aufklärung von Verbrechen zu verwenden, klingt zunächst wie eine sinnvolle Lösung – aber wo ziehen wir denn dann die Grenze? Die gesammelten Daten könnten auch in falsche Hände gelangen. Was passiert zum Beispiel, wenn die Regierung wechselt? Vertrauen die Menschen dieser immer noch so wie der vorherigen? Ein Staat, der die Menschen überwachen will, ist immer ein Risiko für die Privatsphäre. Und wenn die Regierung die Daten zur Verbrechensaufklärung nutzt, bleibt die Frage, wer als nächstes Zugriff haben möchte. Vielleicht wollen Scoring-Unternehmen wie die Schufa die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern ermitteln oder Versicherungen mehr über deren Lebensstil erfahren?

Die Diskussion befindet sich zwar noch in einem frühen Stadium. Es ist unklar, wie die Regierung die Daten verwenden würde. Aber allein die Tatsache, dass sie darüber nachdenkt, ist beängstigend. Alexa ist ein Mikrofon, das auf unsere Bestellungen und Fragen wartet. Aber auch mit den besten Absichten ist es falsch, darauf zuzugreifen. Es wäre wie ein Gesetz, das jeden zwingt, Mikrofone in seinem Haus zu haben, nur für den Fall, dass in Zukunft ein Verbrechen untersucht werden muss. Das erinnert stark an George Orwells Roman 1984 mit „Big Brother“ als Beobachter – das hat der Osten Deutschlands bereits durchgemacht.

Es geht nicht nur um Alexa

Weil in der Diskussion bisher nur Alexa und damit verbundene, intelligente Heimgeräte erwähnt werden, glaube ich, dass die Überlegungen noch recht unausgereift sind. Warum sollte man sich auf Alexa und auf die Daten aus dem Raum beschränken, in dem das Gerät steht? Mit Google Assistant und Siri können wir uns doch alles holen – das zumindest würde ich sagen, wenn ich Böses im Sinne hätte. Die Regierung könnte in Echtzeit Zugang zu dem haben, was wir sagen, wo wir es sagen et cetera. Und bei Alexa kann sich der Nutzer zumindest entscheiden, auf das Gerät zu verzichten. Aber das soll der Verbraucher heutzutage mal mit seinem Smartphone versuchen. Zumal ich davon ausgehe, dass die „dicken Fische“, wie organisierte Verbrecher, schlau genug sind, solche Geräte zu vermeiden. Es ist also wirklich fraglich, ob die Implementierung einer solchen Überwachung überhaupt hilfreich wäre.

 Smart-Home

„Ein Staat, der die Menschen überwachen will, ist immer ein Risiko für die Privatsphäre“, so Luis Corrons, Security Evangelist bei Avast
Foto: Avast

(Bild: irinastrel123/Fotolia) 

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