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Was steckt hinter den Cyber-Angriffen auf US-Behörden?

Die US-Regierung ist Ziel eines schweren Cybrerangriffs geworden. Die US-Behörde für Cyber- und Infrastruktursicherheit (Cisa) stuft den Angriff, der offenbar bereits im März 2020 erfolgte, als „ernste Gefahr“ ein.

Rayna Stamboliyska, VP Governance und Public Affairs bei YesWeHack, gibt in ihrem Statement eine Einschätzung zu dem Angriff und erklärt, welche Auswirkungen er aus ihrer Sicht auf die internationale Politik und die Technologie-Governance haben wird:

„Bei dem Angriff auf die US-Regierung handelt es sich nicht um einen Cyberangriff. Stattdessen scheint es sich um klassische Spionage zu handeln. Mir geht es hier nicht um Haarspalterei, sondern darum, Dinge so zu benennen, wie sie sind. Denn sie haben spezifische politische und rechtliche Auswirkungen. Nach derzeitigem Kenntnisstand handelt es sich bei dem Angriff um die Kompromittierung des privaten Drittanbieters SolarWinds, zahlreicher Regierungsstellen in den USA und einigen anderen Stellen. Zu den Kunden von SolarWinds gehören unter anderem die NATO-Unterstützungsagentur und das Europäische Parlament. Unabhängig von der genauen technischen Abfolge an Ereignissen, die zu dieser Kompromittierung führten, ist es dem Angreifer gelungen, beträchtliche Datenmengen von noch unbestimmten Einrichtungen zu exfiltrieren.

Diese Spionageoperation wird nachhaltige Auswirkungen sowohl auf die internationale Politik als auch auf die Technologie-Governance haben. Aus Perspektive der Politik ergeben sich zwei Hauptaufgaben:

1. Ein flüssigerer und effektiverer Austausch von Informationen über Bedrohungen und Analysen zwischen Bündnispartnern. Zum jetzigen Zeitpunkt ist zum Beispiel noch unklar, ob sich die Spionageaktion auch gegen das Europäische Parlament oder die NATO-Unterstützungsagentur gerichtet hat.

2. Eine Stärkung der internationalen Regeln zur Herstellung und Erhaltung des Friedens im Cyberspace. Der Pariser Aufruf zu Vertrauen und Sicherheit im Cyberspace, zu dessen Erstunterzeichnern YesWeHack zählt, hat mittlerweile mehr als 1.000 Unterzeichner. Er ist damit die größte Multi-Stakeholder-Versammlung, die ein internationales, auf Cybersicherheit ausgerichtetes Abkommen unterstützt. Der Pariser Aufruf ist somit in der Lage, auf dieser soliden Basis aufzubauen und tatsächliche Veränderungen herbeizuführen.

Aus Sicht der Technologie-Governance müssen die Bemühungen zur Sicherung der gesamten Supply Chain verstärkt werden. Die Spionageoperation in den USA ist ein perfektes Beispiel dafür, dass ein Technologieunternehmen kompromittiert wurde, um sich Zugang zu dessen großen, weltweiten Kundenstamm und damit zu weiteren Organisationen und Unternehmen zu verschaffen. Angriffe auf IT-Lieferketten von Unternehmen sind nicht neu, doch wird nach wie vor zu wenig für deren Schutz getan. Eine Verbesserung der Cybersicherheit wird nicht möglich sein, ohne dass Technologieanbieter dazu verpflichtet werden, höhere Sicherheitsstandards einzuhalten. Die Erkennung und Verwaltung von Schwachstellen ist hier ein Eckpfeiler.“

 

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Foto: Rayna Stamboliyska, VP Governance und Public Affairs bei YesWeHack

 

Teaserfoto: © Adobe Stock/pinkeyes