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Cyberkriminelle umgehen Multifaktor-Authentifizierung

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Illustration von drei Geräten, die an Angelschnüren befestigt sind und Phishing symbolisieren, mit dem Unterton lauernder Phish-Kits. Der Hintergrund ist mit Binärcode gefüllt, der das digitale Thema in Blautönen verstärkt.
© AdobeStock/weerapat1003

Phishing-Kits (oder kurz: Phish-Kits) helfen Angreifern dabei, Webseiten bekannter Marken vergleichsweise einfach zu imitieren, oder auf andere Art ihre Opfer mittels Phishing in die Falle zu locken. Nun jedoch gehen die Cyberkriminellen noch einen Schritt weiter und umgehen mittels ausgefeilter Phish-Kits sogar die Multifaktor-Authentifizierung von Webseiten, um sich zu bereichern.

Bei Phish-Kits handelt es sich um eine Art Werkzeugkasten, der von Cyberkriminellen für wenig Geld – teilweise weniger als zehn Euro – erworben werden kann. Nachdem die Sicherheitsexperten von Proofpoint erst vor wenigen Wochen über die zunehmende Verbreitung dieser Phish-Kits berichtet haben, hat das Unternehmen jetzt weitere Erkenntnisse zu dem Thema veröffentlicht.

Immer häufiger machen sich Phishing-Betrüger solche einfach nutzbaren und kostengünstigen Phish-Kits zunutze, mit deren Hilfe sich die Websites großer Unternehmen oder bekannter Marken auf eigene Server zu kopieren und dort zu manipulieren. Auf Basis der mittels der Phish-Kits erstellten Webseiten ist es den Cyberkriminellen möglich, die Zugangsdaten ihrer Opfer zu stehlen.

Allerdings bieten Webseitenbetreiber seit einigen Jahren verstärkt die sogenannte Multifaktor-Authentifizierung an, um den Schutz von Accounts zu erhöhen. Da es somit nicht länger ausreicht, allein den Benutzernamen und das Passwort eines Benutzers zu stehlen, um erfolgreich in ein Nutzerkonto einzudringen, stellt dies Cyberkriminelle vor eine Herausforderung.

Gehostet werden die Phish-Kits nach dem Erwerb üblicherweise auf Servern des Käufers beziehungsweise auf einer von ihm kontrollierten Infrastruktur. Doch anders als bei gewöhnlichen Phish-Kits, die lediglich durch Fake-Webseiten den Diebstahl von Anmeldedaten ermöglichen, verfügen MFA-Phishing-Kits über die Fähigkeit, auch MFA-Tokens zu stehlen, beziehungsweise ganze Sitzungen zu übernehmen.

Grundlage der Angriffe mit MFA-Phish-Kits bildet ein transparenter Reverse Proxy. Durch diese Man-in-the-Middle-Technik (MitM) greift das Opfer nicht auf eine gefälschte Webseite zu, sondern es wird ihm die tatsächliche Webseite angezeigt. Allerdings können die Cyberkriminellen mit Hilfe des zwischengeschalteten Servers alle Daten abgreifen, die zwischen der Webseite und dem Opfer ausgetauscht werden. Die Grafik (im englischen Original) veranschaulicht die Angriffstaktik dieser MFA-Phish-Kits.

Die Daten, die dabei in Echtzeit gestohlen werden, beschränken sich nicht nur auf den Benutzernahmen und das Passwort, sondern können alle Eingaben – wie Kreditkartendaten, MFA-Tokens etc. – aber auch Sitzungs-Cookies umfassen. Wird ein solches Cookie gestohlen, erhalten die Täter unter Umständen vollen Zugriff auf das Konto, ohne dass zusätzlich die Eingabe des zweiten Faktors erforderlich wäre.

Die Security-Experten von Proofpoint haben bereits unterschiedlichste MFA-Phishing-Kits entdeckt. Diese reichen von einfachen Open-Source-Kits mit lesbarem Code und einfacher Funktionalität bis hin zu ausgefeilten Kits mit zahlreichen Verschleierungsebenen und integrierten Modulen, die den Diebstahl von Benutzernamen, Passwörtern, MFA-Tokens und Kreditkartennummern ermöglichen.

 

Diagramm eines Phishing-Angriffs: Das Opfer gibt Anmeldeinformationen und MFA ein, die an ein MitM-Phishing-Kit gesendet werden. Dieses leitet die Daten weiter, sodass der Angreifer Anmeldeinformationen und Sitzungscookies stehlen kann. Das endgültige Ziel ist ein Server.
Quelle: Proofpoint

Angriffstaktik von MFA-Phish-Kits

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