Gros der Finanzorganisationen in Deutschland von Cybersicherheitsvorfällen betroffen

Ein hoher Grad an Vernetzung macht das Finanzsystem besonders anfällig für digitale Kompromittierungen.

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Die Digitalisierung der Finanzbranche erfährt durch neue Technologien wie Online-Banking-Optionen, Mobile Payment, Cloud-Lösungen oder künstliche Intelligenz einen enormen Entwicklungsschub. Allerdings vergrößern komplexe, digitale Finanztechnologien auch die Angriffsfläche für IT-Sicherheitsbedrohungen.

Ein hoher Grad an Vernetzung macht das Finanzsystem besonders anfällig für digitale Kompromittierungen. Gleichzeitig ist die Finanzbranche für das öffentliche Leben in Deutschland von hoher Bedeutung. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zahlreiche Unternehmen und Institutionen aus dem Finanzsektor als Betreiber kritischer Infrastrukturen definiert hat – ähnlich der Energie- oder Trinkwasserversorgung.

Die Bedrohungslage im Bereich der Finanzinstitute ist indes alarmierend: Insgesamt berichten 91 Prozent der IT-Entscheider in deutschen Finanzorganisationen, bereits von einen Sicherheitsvorfall betroffen gewesen zu sein. Das ist ein Ergebnis aus der aktuellen Kaspersky-Studie „Cybersicherheit: Finanzbranche im Fokus“. Die in der Studie befragten IT-Entscheider insgesamt schätzen die Gefahrenlage als hoch ein (69 Prozent) – wobei IT-Sicherheitsverantwortliche mit 88 Prozent noch pessimistischer sind. Die Arten der Angriffe waren so unterschiedlich wie vielschichtig:

  • Spear Phishing (40 Prozent)
  • Ransomware-Angriffen (31 Prozent)
  • DDoS-Attacken (31 Prozent)
  • Spyware (27 Prozent)
  • generischer Malware (26 Prozent)
  • zielgerichtete Angriffe (17 Prozent)

 

Dennoch sehen sich 69 Prozent der Sicherheitsverantwortlichen ausreichend gegen Cyberangriffe gerüstet, auf Geschäftsführerebene sind es sogar 75 Prozent. Dieses Gefühl von Sicherheit ist insbesondere auf die Ausarbeitung von Notfallplänen zurückzuführen. Insgesamt verweisen drei von vier Befragten (77 Prozent) auf einen Business Continuity Plan oder Desaster Recovery Plan in ihrem Unternehmen. Am besten vorbereitet scheinen Finanzinstitute zwischen 1.000 und 5.000 Mitarbeitern zu sein. Diese setzen am häufigsten auf Desaster Recovery-Pläne (87 Prozent), so dass sich 80 Prozent der Umfrageteilnehmer in Firmen dieser Größenordnung gut gegen aktuelle Cyberbedrohungen gerüstet fühlen.

„Egal ob Ransomware, Phishing, zielgerichteter Angriff oder ´nur´ generische Malware, die Finanzbranche sieht sich mit einer vielfältigen Bedrohungslandschaft konfrontiert“, stellt Christian Milde, Geschäftsführer Central Europe bei Kaspersky, fest. „Es ist daher nicht verwunderlich, dass die von uns befragten IT-Entscheider die Gefahrenlage in Deutschland als hoch einschätzen. Finanzinstitute sehen sich zwar ausreichend gegen Cyberangriffe gerüstet, weil sie unter anderem Notfallpläne zur Hand haben. Die Branche muss dennoch mehr in IT-Sicherheit investieren. Denn ein erfolgreicher Angriff kann zu Verlust von Daten, Geld und Kunden führen. Wir empfehlen einen umfassenden, mehrstufigen Cybersicherheitsansatz, der alle möglichen Einfallstore abdeckt.“

Was die Finanzbranche am meisten fürchtet

Im Rahmen der Kaspersky-Studie wurden die Entscheider in Finanzinstitutionen auch danach gefragt, welche Konsequenzen eines möglichen Cyberangriffs sie am meisten fürchten. Für knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) ist dies der Diebstahl und Verkauf sensibler Kundendaten. 44 Prozent sorgen sich um einen Imageverlust des Unternehmens durch die unzureichende Einhaltung der Informationssicherheit, 43 Prozent befürchten finanzielle Verluste für die Organisation und ihre Kunden. Ungefähr genauso viele glauben, dass ein Sicherheitsvorfall sie viele Kunden kosten könnte (42 Prozent).

Die vollständige Studie ist hier erhältlich.

Grafik: Kaspersky

Finanzbranche: Cybersicherheitslage in Deutschland

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