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Ransomware trifft industrielle Steuersysteme fast ebenso häufig wie IT-Systeme

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Foto: © AdobeStock/zephyr_p

Ransomware wird immer mehr auch zum Problem von industriellen Anlagen und der kritischen Infrastruktur: 80 Prozent der KRITIS-Betreiber und Unternehmen, die zur kritischen Infrastruktur wesentlich beitragen, wurden im letzten Jahr Opfer eines Ransomware-Angriffs – mit erheblichen Störungen bei jedem zweiten getroffenen Unternehmen.

Während weltweit diese Attacken wesentlich häufiger vor allem die IT-Systeme treffen (32,4 Prozent) und deutlich weniger die Betriebstechnik (OT) und industriellen Steuerungssysteme (ICS) (20,3 Prozent), ist in Europa der Unterschied wesentlich geringer: Hier betrafen 27 Prozent der Ransomware-Angriffe ausschließlich die IT-Systeme und 23 Prozent ausschließlich OT/ICS-Anlagen. Bei einem knappen Viertel (23,3 Prozent) wurden beide Bereiche gestört (weltweit: 27,1 Prozent). Insgesamt betrifft also fast jeder zweite Angriff auch die OT/ICS. Dies ergab die von Claroty initiierte Studie „The Global State of Industrial Cybersecurity 2021: Resilience Amid Disruption“ (Der globale Stand der industriellen Cybersicherheit 2021: Resilienz in Zeiten der Disruptionen), für die insgesamt 1.100 Security-Spezialisten befragt wurden.

Mehr als 90 Prozent der angegriffenen Unternehmen informierten ihre Aktionäre und/oder Behörden über den Vorfall und berichteten, dass die Auswirkungen in fast der Hälfte der Fälle (49 Prozent) erheblich oder signifikant waren. Ebenfalls signifikant sind die finanziellen Auswirkungen einer Attacke: So bezifferte gut die Hälfte (50,3 Prozent) der Befragten, dass sie eine Betriebsunterbrechung infolge eines Angriffs zwischen 100.000 und 1.000.000 US-Dollar Umsatz pro Stunde kosten würde. Dies erklärt womöglich auch die relativ hohe Bereitschaft, auf die Lösegeldforderungen einzugehen. Weltweit zahlten 62,1 Prozent der Unternehmen, in den USA sogar 76,4 Prozent, in Europa jedoch nur 46,8 Prozent. In den meisten Fällen Betrug das Lösegeld zwischen 100.000 und 500.000 Dollar (32,1 Prozent) beziehungsweise zwischen 500.000 und 1.000.000 Dollar (30,5 Prozent).

Digitale Transformation

Die digitale Transformation hat sich auch im Bereich der kritischen Infrastruktur seit dem Beginn der Corona-Pandemie beschleunigt: Am deutlichsten im Asien-Pazifikraum (bei 90,4 Prozent der Befragten), am geringsten in Europa (bei 82,3 Prozent der Unternehmen). Dabei wird der Trend zur Fernarbeit weiter anhalten: Weltweit wollen 73 Prozent der Unternehmen in absehbarer Zeit weiterhin in gewissem Umfang remote arbeiten, in Europa sogar 80 Prozent.

In Folge der zunehmenden Bedrohungslage wird die Cybersicherheit für Unternehmen immer stärker zur Priorität. Entsprechend erhöhen sie ihre Investitionen im Bereich der Cybersicherheit und implementieren sie neue Lösungen und Prozesse. Dabei ist die Geschäftsführung immer häufiger eingebunden, in jedem zweiten Unternehmen (52,4 Prozent) sogar stark. Die Verantwortung für den sicheren Betrieb unterliegt dabei zumeist dem CISO: Bei 60 Prozent der Unternehmen werden hier die OT- und IT-Governance gebündelt. Der COO oder Betriebsleiter ist lediglich in 25,6 Prozent der Unternehmen auch für die Cybersicherheit der Anlage zuständig.

„Unsere Studie zeigt, dass sich die Sicherheit kritischer Infrastrukturen an einem entscheidenden Punkt befindet, an dem die Bedrohungen zunehmen und sich weiterentwickeln. Gleichzeitig wächst aber auch das kollektive Bewusstsein und der Wunsch, unsere wichtigsten Systeme zu schützen“, sagte Yaniv Vardi, CEO von Claroty. „Sicherheitsverantwortliche, die ihre Programme auf die nächste Stufe heben wollen, müssen alle cyber-physischen Systeme in ihre Risiko-Governance-Praktiken einbeziehen, ihre IT- und OT-Netzwerke und -Anlagen segmentieren, ihre allgemeinen IT-Cybersicherheitspraktiken auf ihre OT-Geräte ausweiten und alle Netzwerke konsequent auf Bedrohungen überwachen.“

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