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Demographie der Cyberkriminalität

Vor Cyberkriminellen sind nicht alle gleich: Wie eine neue Studie zeigt, sind Menschen mit geringerem Einkommen, geringerem Bildungsstand und Frauen verstärkt von Angriffen betroffen. 

„The Demographics of Cybercrime“ ist der Titel eines neuen Berichts, dessen Ergebnisse Malwarebytes gemeinsam mit den NGOs Digitunity und Cybercrime Support Network veröffentlicht hat. Digitunity ist eine anerkannte gemeinnützige Organisation, die sich für allgemeinen Zugang zu Digitaltechnologie einsetzt und das Cybercrime Support Network ist eine US-amerikanische NGO, deren Aufgabe es ist, Einzelpersonen und kleinen Unternehmen zu helfen, die von Cyberkriminalität betroffen sind.

 Die neuen Forschungsergebnisse zeigen, dass einkommensschwache und ungebildetere Bevölkerungsgruppen stärker von Cyberkriminalität betroffen sind, als andere. Der Bericht, für den mehr als 5.000 Personen in den Vereinigten Staaten, dem Vereinten Königreich und Deutschland befragt wurden, zeigt detailliert auf, wie Menschen weltweit Cyberkriminalität erleben, und macht deutlich, dass Cyberkriminalität nicht alle gleichermaßen betrifft. Laut der Studie haben demografische Faktoren einen Einfluss darauf, wie oft Menschen zur Zielscheibe werden und wie sie reagieren, wenn sie Opfer werden. 

Benachteiligte Gruppen, wie zum Beispiel Menschen mit geringerem Einkommen und niedrigerem Bildungsniveau, fühlen sich demnach online weniger sicher, werden mit größerer Wahrscheinlichkeit Opfer eines Angriffs und erfahren eine größere emotionale Belastung durch Cyberangriffe. Nur drei Prozent der Personen mit einem Einkommen von weniger als 57.000 Euro halten in Deutschland ihre Daten im Internet für sehr sicher, während dies für immerhin elf Prozent der Personen mit einem Einkommen von mehr als 57.000 Euro gilt. 

Je nach Art der Cyberkriminalität berichten bestimmte Gruppen von einer höheren Wahrscheinlichkeit, online Bedrohungen ausgesetzt zu sein. So erhalten beispielsweise mehr Frauen als Männer Textnachrichten von unbekannten Nummern, die potenziell bösartige Links enthalten (79 Prozent gegenüber 73 Prozent), und mehr People of Color (PoC) sind von gehackten Social-Media-Konten (45 Prozent gegenüber 40 Prozent) und Identitätsdiebstahl (21 Prozent gegenüber 15 Prozent) betroffen als Weiße. Darüber hinaus wurden Personen im Alter ab 65 Jahren häufiger Kreditkarteninformationen gestohlen als Personen der jüngeren Altersgruppe (36 Prozent). In Deutschland spielen Textnachrichten von unbekannten Nummern eine weniger bedeutende Rolle als im Vereinigten Königreich oder den USA. Dennoch ist dies mit 65 Prozent der Betroffenen die mit Abstand häufigste Form der Internetkriminalität in Deutschland. Mit 46 Prozent rangieren gehackte Social-Media-Konten an zweiter Stelle.

Das wahrgenommene Niveau an Online-Sicherheit zeigt einen deutlichen Unterschied zwischen den Ländern. Im Allgemeinen zeigten sich die Befragten aus Deutschland weniger besorgt als die Befragten aus dem Vereinigten Königreich oder den USA. In Deutschland glauben 44 Prozent der Befragten, dass Kinder unter 18 Jahren sehr anfällig für Online-Betrugsaktivitäten sind, verglichen mit 47 Prozent im Vereinigten Königreich und 51 Prozent in den USA. Die Besorgnis über die Sicherheit von Frauen im Internet zeigt ein ähnliches Bild. 15 Prozent der Befragten aus Deutschland sind der Meinung, dass Frauen durch verdächtige Online-Aktivitäten besonders gefährdet sind, während es im Vereinigten Königreich 18 Prozent und in den USA 23 Prozent sind. 

Die Befragten aus Deutschland sind auch weniger besorgt über bestimmte Arten von Online-Bedrohungen für Kinder. In Deutschland waren nur 31 Prozent der Befragten sehr besorgt über Cybermobbing, verglichen mit 44 Prozent im Vereinigten Königreich und 47 Prozent in den USA. Noch deutlicher sind die Unterschiede, wenn es um übergriffiges Verhalten geht. Nur 25 Prozent der Befragten aus Deutschland sind sehr besorgt über diese Art der Bedrohung von Kindern im Internet, während dieser Prozentsatz bei den Befragten aus dem Vereinigten Königreich 45 Prozent und in den USA 54 Prozent beträgt. 

Wie die Menschen auf Online-Bedrohungen reagieren, ist ebenfalls von Land zu Land unterschiedlich. Auf die Frage, wie sich die verdächtigen Aktivitäten oder Angriffe auf die Kommunikation mit ihren Angehörigen ausgewirkt haben, schränkten mehr Befragte aus Deutschland ihre Social-Media-Profile ein (37 Prozent) als Befragte aus dem Vereinigten Königreich (21 Prozent) oder den USA (24 Prozent). Die langfristigen Auswirkungen einer verdächtigen Aktivität oder eines Angriffs sind für die Befragten aus Deutschland schwerwiegender als für die Befragten aus den anderen Ländern. Nur 30 Prozent der Befragten aus Deutschland gaben an, dass eine verdächtige Aktivität oder ein Angriff keine langfristigen Auswirkungen auf die Kommunikation mit ihren Angehörigen hatte, im Vergleich zu 45 Prozent aus Großbritannien und 41 Prozent aus den USA. 

Da die Welt immer stärker digital vernetzt ist, werden Cyberbedrohungen weiter zunehmen und für exponierte und ressourcenschwache Nutzer noch gefährlicher werden. Die Aufklärung über Cybersicherheit und die Sensibilisierung für kostenlose Tools wie Antivirenlösungen können Online-Angriffe und deren emotionale und finanzielle Folgen deutlich verringern. Tatsächlich hat der Bericht gezeigt, dass von denjenigen, die von Ransomware angegriffen wurden, fast die Hälfte das Problem mit ihrem Antiviren- oder Cybersicherheitsprogramm beheben konnte. 

Weitere zentrale Ergebnisse der Studie:

  • Keine einzige Person in der Umfrage kam noch nicht mit verdächtigen Online-Aktivitäten in Kontakt, unabhängig von Geschlecht, ethnischem Hintergrund, Alter, Einkommen oder Bildungsstand
  • 50 Prozent der Menschen fühlen sich online nicht privat
  • Weltweit fühlen sich Frauen online am wenigsten privat (53 Prozent im Vergleich zu 47 Prozent der Männer)
  • 31 Prozent der Menschen fühlen sich online nicht sicher
  • Weltweit fühlen sich Frauen auch am wenigsten sicher im Internet (35 Prozent gegenüber 27 Prozent der Männer)
  • Nur 79 Prozent der Befragten gaben an, dass sie mit Antivirenprodukten vertraut sind
  • Zehn Prozent derjenigen, die ein Antivirenprogramm verwenden, wissen nicht, wovor es sie schützt
  • 46 Prozent der Frauen gaben an, dass ihre Social-Media-Konten gehackt wurden (37 Prozent bei Männern)
  • Nur 47 Prozent der POC-Befragten konnten sich vor den finanziellen Folgen von Cyberkriminalität schützen, verglichen mit 59 Prozent aller Befragten. Damit sind die POC-Befragten finanziell am stärksten von Cyberkriminalität betroffen.
  • 21 Prozent der Frauen und 23 Prozent der POC-Befragten gaben an, dass sie im Umgang mit verdächtigen Online-Aktivitäten erheblichen Stress erleben, verglichen mit 17 Prozent aller Befragten.

 

 

 

Teaserfoto: © Adobe Stock/rtinspiring