Kundenservice Veranstaltungen: 02234-9894940
Kundenservice Bücher: 089-21837921
Aboservice Zeitschriften: 089-21837110

Kommentar: Ransomware-Angriff auf MediaMarkt

Wer in diesen Tagen bei MediaMarkt oder Saturn probiert, mit Kreditkarte zu bezahlen, der schaut in die Röhre – dort geht es gerade nur mit Bargeld, da die Kassensysteme nach einem Cyberangriff offline genommen wurden. Der Cyberangriff vom Montag sorgte unter anderem auch dafür, dass in den Geschäften keine Kaufbelege ausgestellt werden konnten.

Knapp sechs Wochen vor Weihnachten beginnt allmählich der Einkaufsrausch in den Geschäften – und immer hoch auf der Agenda sind die neuesten Trends der Unterhaltungselektronik oder auch die besten Kaffeevollautomaten etc. Nicht selten können die Kunden diese nur per Kreditkarte kaufen oder sogar finanzieren – wer läuft dieser Tage schon mit viel Bargeld rum. Bei den Elektronikriesen MediaMarkt und Saturn funktioniert das wegen eines Ransomware-Angriffs derzeit nicht. Den aktuellen schweren Fall einer Ransomware-Attacke auf ein deutsches Unternehmen kommentiert Guido Grillenmeier, Chief Technologist EMEA beim IT-Sicherheitsanbieter Semperis: 

„Ein derber Schlag für die beiden Tech-Märkte, die zum Ceconomy-Konzern gehören und die gleichen Backend-Systeme verwenden. Etwa 3100 Server wurden verschlüsselt – und vor Weihnachten zählt jede Stunde bei der Widerherstellung der Systeme, damit die Kernzeit der Weihnachtseinkäufe für diese Konsumriesen nicht zu der eigentlichen Finanzkatastrophe wird. Ganz unabhängig von den zunächst 240 Millionen Euro Lösegeldforderungen der Erpresser, hinter der die „Hive“ Ransomware Gruppe steht. Diesen wurden nun auf 50 Millionen reduziert - sicherlich auch kein Schnäppchen.

Jetzt geht es um Zeit. Wie schnell können alle Systeme wiederhergestellt werden, damit das Geschäft wieder läuft? Möglicherweise sind auch alle Active Directory Server (Domain Controller) betroffen und verschlüsselt. Wie kann man Active Directory wiederherstellen, wenn das passiert - wenn alle Server nicht mehr laufen?  Zu wenige Unternehmen stellen sich diese Frage bevor etwas passiert.

Fakt ist: Wenn die Active Directory Server nicht mehr laufen, läuft gar nichts mehr – sie sind die Grundlage für das Anmelden aller anderen Systeme in der Infrastruktur – inklusive der Kassensysteme und sonstigen Servern, die für die Abwicklung des eigentlichen Geschäfts notwendig sind. Sie sind auch die ersten Systeme, die wiederhergestellt werden müssen – danach gelingt es erst mit den anderen Servern.

Die jüngste Attacke zeigt einmal mehr, wie verwundbar selbst moderne Retail-Unternehmen sind, die ihr Geld mit Technik verdienen. Oft genügt ein Schlupfloch und die Angreifer können sich unbemerkt ihrem Ziel nähern. Ist dieses erreicht, dann kann es (leider) sehr schnell gehen – und der Rückweg wird mühsam.“

„Der Angriff zeigt die Verwundbarkeit von Unternehmen, die für die Versorgung von Privathaushalten wichtig sind. Fehlender Cyber-Schutz zerstört nicht nur die Geschäftsgrundlage des Einzelhandels, sondern auch Vertrauen, Renommee und Konsumlaune“, kommentiert Hans-Wilhelm Dünn, Präsident des Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V. das Ereignis.

Angesichts des bevorstehenden Black-Fridays und des umsatzstarken Weihnachtsgeschäfts können solche Angriffe dramatische Umsatzeinbußen bedeuten. Laut EHI Retail Institute werden inzwischen mehr als 54 Prozent aller Zahlungen bargeldlos abgewickelt. Hans-Wilhelm Dünn warnt: „Die kriminelle Verschlüsselung von IT-Systemen sorgt für mehr als 220 Milliarden Euro Schaden pro Jahr. Ein Angriff auf den Einzelhandel gefährdet nicht nur die vorweihnachtliche Geschenkeversorgung, sondern verursacht immensen wirtschaftlichen Schaden. Handelsketten und Verkaufsstellen müssen ihre komplexen Systeme professioneller schützen.“

 

Guido-Grillenmeier

Guido Grillenmeier, Chief Technologist EMEA beim IT-Sicherheitsanbieter Semperis (Foto: Semperis)

 

 

 

Teaserfoto: © Adobe Stock/Skórzewiak