Drei Thesen für die Zukunft des Identity- & Access-Managements

Der Schutz sensibler Unternehmensnetzwerke und kritischer Infrastrukturen steht auch angesichts einer angespannten Sicherheitslage zunehmend im Fokus.

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Der Schutz sensibler Unternehmensnetzwerke und kritischer Infrastrukturen steht auch angesichts einer angespannten Sicherheitslage zunehmend im Fokus. Vielfach werden aktuell eingesetzte Cyber-Sicherheitskonzepte auf den Prüfstand gestellt. Immer klarer wird: Klassische Firewall-Konzepte alleine sind nicht mehr in der Lage, hybriden Angriffsmustern ausreichenden Widerstand zu leisten.

IT-Security-Experten raten IT-Verantwortlichen dazu, bei der Netzwerksicherheit verstärkt auf einen Zero-Trust-Ansatz zu setzen. Verdeutlicht wird dies auch durch ein aktuell veröffentlichtes Cybersecurity-Memorandum der US-Regierung mit entsprechenden Richtlinien für Behörden und Regierungsorgane. Besondere Bedeutung kommt dabei einem zeitgemäßen und zentral organisierten Identity- & Access-Management zu. becom nennt in diesem Zusammenhang drei wesentliche Thesen:

These 1: Mehr-Faktor-Authentifizierung: Was nicht Phishing-resistent ist, darf nicht genutzt werden

Viele Unternehmen und Behörden wiegen sich in trügerischer Sicherheit, da sie Methoden für die Mehr-Faktor-Authentifizierung (MFA) implementiert haben. Nicht alle dieser Technologien bieten aber ausreichenden Schutz bei Onlineangriffen. So sind beispielweise Einmalpasswörter (OTP) via Smartphone-App oder Registrierungen via SMS oder Sprachanruf nach heutigen Maßstäben nicht mehr Phishing-sicher. Empfehlenswert hingegen sind MFA-Verfahren auf der Basis von Standards wie WebAuthn oder Fido2 in Verbindung mit hardwarebasierten Security Token beziehungsweise Smartcards.

These 2: Die Ära der Passwörter geht zu Ende

Passwörter haben im Rahmen eines modernen Identity- & Access-Managements ihre frühere Rolle verloren und bieten in der Regel keinen Mehrwert, der über einen gefühlten Sicherheitsgewinn hinausgeht. Idealerweise kann komplett auf Passwörter verzichtet werden. Ist dies nicht möglich oder gewünscht, sollte – entgegen der Intuition – auf komplexe Passwortregeln oder den Zwang, das Passwort regelmäßig zu verändern, verzichtet werden. Der Grund: Inzwischen hat sich gezeigt, dass Regelungen dieser Art in der Praxis nicht selten gegenteilig wirken und zu tendenziell unsichereren Passwörtern und Prozessen führen.

These 3: Nur so viel Zugang gewähren, wie unbedingt erforderlich

Eine rollenbasierte Zugangskontrolle basiert in der Regel auf relativ statischen und vordefinierten Rollen. Dies bringt fast zwangsläufig mit sich, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch uneingeschränkten Zugriff zu Ressourcen haben, die sie zwar immer wieder, allerdings nur relativ selten benötigen. Ratsam ist hier deshalb, wo immer möglich auf deutlich dynamischere und detailliertere Zugangsberechtigungen zu setzen. Im Idealfall haben User beispielsweise nur für den Zeitraum Zugang zu einer bestimmten Ressource, in dem dieser Zugriff auch tatsächlich benötigt wird.

„Zero Trust bedeutet im Endeffekt einen klaren Paradigmenwechsel. Das bislang verwendete Konzept eines vermeintlich sicheren internen Netzwerks, welches per Firewall gegen Bedrohungen aus dem Internet geschützt wird, bietet gegen moderne Angriffstechniken keine ausreichende Sicherheit mehr. Die Grundlage für ein Zero-Trust-Konzept hingegen ist, das interne Netz grundsätzlich als unsicher und kompromittiert zu betrachten. Eine ebenso logische wie klare Konsequenz daraus ist, von einer Benutzer-Anmeldung auf Netzwerkebene hin zu einer Anmeldung beziehungsweise Authentifizierung auf Anwendungsebene zu gelangen. Wie wichtig und auch zeitkritisch die Umsetzung einer solchen Netzwerksicherheits-Architektur ist, zeigen die zunehmenden Berichte über immer professioneller ausgeführte Cyber-Attacken verschiedenster Akteure“, so Ralf Becker, Geschäftsführer beim becom Systemhaus.

Ralf Becker, Geschäftsführer beim becom Systemhaus (Foto: becom)

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