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War for IT-Talents: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Bewerber

IT-Fachkräfte sind ein rares Gut. Unternehmen suchen händeringend nach geeigneten IT-Talenten für das digitale Zeitalter. Im Kampf um die besten Köpfe setzen sie allerdings oft falsche Prioritäten und werben an den tatsächlichen Bedürfnissen ihrer Wunschkandidaten vorbei.

Zehntausende offene Stellenangebote für IT-Talente, Tendenz steigend. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl unbesetzter IT-Jobs um circa 20 Prozent erhöht. Der VDI (Verein Deutscher Ingenieure) hat ermittelt, dass auf jeden Informatiker im Schnitt 3,5 offene Stellen kommen. Gemäß dem marktwirtschaftlichen Prinzip, wo die Nachfrage den Preis bestimmt, haben IT-Fachkräfte damit heute alle Trümpfe in der Hand. Sie sind in der komfortablen Situation, sich getrost zurückzulehnen, während ihre Gegenüber – die Unternehmen – nach und nach die Einsätze erhöhen. Mussten IT-Fachkräfte früher den Arbeitgeber überzeugen, hat sich der Spieß heute umgedreht. Wollen Unternehmen die besten IT-Talente für ihre digitale Transformation, sind sie in der Bringschuld und brauchen überzeugende Argumente. Laut dem diesjährigen Stack Overflow IT-Recruiter Report gelingt es weniger als sechs Prozent der befragten Recruiter, passende Kandidaten zu finden. Viele Unternehmen sind dazu übergegangen, ganz in Silicon-Valley-Manier etwas aufzubauen, was sie für eine „Nerd-freundliche“ Arbeitsumgebung halten: Ihre Strategie dreht sich dabei häufig um Tischkicker, Sitzsäcke und nie versiegende Koffeinquellen. Dabei steht dieser Punkt weniger hoch im Kurs der IT-Talente als weitläufig angenommen.

Technologie und Team statt Taler

IT-Talente sind nicht selten Autodidakten, die für ihre Spezialgebiete und damit verbundene Herausforderungen brennen. Sie interessieren sich für die Technologie dahinter und damit für die konkreten Projekte, die sie bei ihrem Arbeitgeber erwarten. Die Tools und auf die Projekte abgestimmte Arbeitsweise müssen stimmen. Für Entwickler bedeutet das: agile Teams eingebunden in eine Continuous Integration und Continuous Delivery (CI/CD) Pipeline. Während agile Konzepte wie Scrum für manches Unternehmen abseits der Startup-Szene gerade eine ganz neue Erfahrung sind, betrachten IT-Talente solche Arbeitsweisen als selbstverständlich. Derzeit schießen die Gehälter für die IT-Fachkräfte durch die Decke. Dabei ist Geld nicht alles. Der Report von Stack Overflow bestätigt: Gehalt und Zusatzleistungen stehen bei den Bedürfnissen erst an Platz vier der Top-5-Kriterien von Entwicklern. Viel wichtiger sind Möglichkeiten zur fachlichen Weiterbildung, eingesetzte Programmiersprachen, Frameworks sowie Technologien. Erst dann folgt der Arbeitsplatz und darauf das Gehalt. Manche Unternehmen gehen dazu über, Bleibeprämien zu zahlen, doch die Konkurrenz schläft nicht: Headhunter tummeln sich überall und nehmen selbst Servicetechniker ins Visier.

Gravierende Folgen für IT-Sicherheit

Die Digitalisierung hat Schattenseiten, die gleich zwei Probleme kombinieren: Zunehmende Sicherheitsrisiken und ein eklatanter Mangel an kompetenten IT-Security-Spezialisten. Erst kürzlich hat erneut ein Europol-Bericht vor den zunehmenden Cybercrime-Gefahren gewarnt. Deshalb suchen Unternehmen auch in diesem speziellen Segment händeringend nach Experten. Laut der aktuellen Studie „2017 Global Information Security Workforce“ des Research-Spezialisten Frost & Sullivan fehlen in den nächsten fünf Jahren allein in der DACH-Region mehr als 350.000 IT-Sicherheitsfachkräfte. Der Mangel hat bereits heute gravierende Folgen: Unternehmen benötigen teils bis zu acht Tage, um einen Security Incident zu beheben. Deshalb gehört die IT-Sicherheit mit zu den am stärksten gefragtesten Berufsprofilen der Zukunft. Dennoch wird es schwer, die richtigen Experten dafür zu gewinnen. IT-Sicherheit ist nicht der mit allen neuen, tollen Tools aufgemotzte Spielplatz zum Tüfteln und Austoben wie die Anwendungsentwicklung. Dafür erfordert sie ein ebenso hohes Maß an Sorgfalt und Präzision. Und nicht zu vergessen die notwendige Ausdauer, sich mit Audits und Zertifizierungsverfahren auseinander zu setzen sowie mit Kollegen, die es mit Passwörtern oder anderen Sicherheitsrichtlinien nicht ganz so genau nehmen.

Finden und Binden

Der Arbeitsmarkt für IT-Talente ist heiß gelaufen. Das sorgt bei Unternehmen für Probleme im Recruiting. Es gilt IT-Talente bei ihrem technologischen Know-how und Interessensgebieten abzuholen und auf der richtigen Ebene anzusprechen. Dazu gehören weniger die sozialen Medien als vielmehr der Kontakt via Mail oder ein persönliches Gespräch. Aber Finger weg vom Telefon: Laut Stack Overflow hassen 53 Prozent der IT-Fachkräfte diese Art der Kontaktaufnahme. Gehört ein Unternehmen zu den glücklichen Gewinnern im Kampf um ein IT-Talent, darf es sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Denn schließlich gilt es im nächsten Schritt die Fachkräfte auch langfristig zu halten. Das Stichwort lautet hier „Employer Branding“, das wiederum ganz andere Anforderungen mit sich bringt.

Olivia Veckenstedt, IT-Redakteurin bei riske & jorns.