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Warum ein zertifiziertes ISMS nach ISO 27001 gerade für Start-ups so wichtig ist: Ticket in die erfolgreiche Zukunft

In der innovationszentrierten Welt der Start-ups wird die Informationssicherheit häufig übersehen. Doch in einer Ära, in der Cyberbedrohungen zunehmen, ist ein zertifiziertes Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) nach ISO 27001 für Start-ups nicht nur ein Schutzmechanismus, sondern ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

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IT-Security - Datenschutzsymbole

In diesem Artikel stellen wir die fünf wichtigsten Gründe vor, warum ein Start-up eine ISO-Zertifizierung durchführen sollte.

Das 21. Jahrhundert … unendliche Weiten … die Menschheit bricht auf zu neuen Ufern …“ – so oder so ähnlich würde heute fast jeder Artikel mit technologischem Inhalt beginnen. Aber was steckt eigentlich dahinter? Das Heute ist geprägt von rasantem technologischem Fortschritt und einer immer stärker vernetzten Welt. Informationen – und davon gibt es unglaublich viele in jeder Qualität – sind das wertvollste Gut in der heutigen Zeit. Wozu braucht man noch Gold, Silber oder Diamanten? Gerade vor diesem Hintergrund gewinnt die Sicherheit von wirklich wertvollen Informationen exponentiell an Bedeutung.

Für Start-ups, die in diesem dynamischen Umfeld agieren, ist es entscheidend, von Anfang an solide Sicherheitspraktiken zu etablieren. Wie aber umsetzen, wenn Agilität und Flexibilität das Gebot der Stunde sind?

Hier kommt die ISO 27001 ins Spiel. Diese Norm ist ein international anerkannter Standard für das Management der Informationssicherheit. Sie bietet einen systematischen und umfassenden Ansatz zur Sicherung wertvoller Daten – ein Kernanliegen jedes modernen Unternehmens. Für Start-ups, die oft durch eine Kultur der Agilität und Innovation gekennzeichnet sind, ist diese Zertifizierung besonders relevant. Sie stellt nicht nur eine Reihe von Richtlinien bereit, sondern schafft ein vollständiges Managementsystem, das sich flexibel in die dynamische und sich schnell entwickelnde Natur dieser Unternehmen integriert.

Der Wert einer ISO-27001-Zertifizierung geht deshalb über die bloße Einhaltung von Vorschriften hinaus. Sie bietet ein Framework, das Start-ups dabei unterstützt, ihre Geschäftsstrategien und -prozesse auf ein solides Sicherheitsfundament zu bauen. In einer Welt, in der Datenschutzverletzungen und Cyberangriffe zunehmend alltäglich sind, wird eine solche Zertifizierung schnell zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Unternehmensintegrität und -reputation.

Argumente für ein ISMS

Damit ist eine ISO-27001-Zertifizierung für Start-ups nicht nur ein Mittel zur Erfüllung von Kundenanforderungen oder zu Risikominderung, sondern auch ein entscheidender Faktor für nachhaltiges Wachstum und Erfolg. Von der Vertrauensbildung und dem Darstellen einer weit höheren Wertigkeit des Unternehmens bei Investoren und Kunden über den Schutz vor Cyberbedrohungen bis hin zu Marktvorteilen und Wettbewerbsfähigkeit – die Zertifizierung ist ein Schlüsselelement für junge Firmen, die in der digitalen Wirtschaft erfolgreich sein wollen.

Ein ISMS nach ISO 27001 bietet:

  • Schutz vor Cyberbedrohungen: Laut Studien von zum Beispiel Deloitte oder auch Lünendonk steigt die Masse der Cyberangriffe auf Unternehmen immer weiter an. Ungefähr 40 bis 45 Prozent der Angriffe richten sich dabei gegen kleine Unternehmen. Ein Segment, zu dem viele Start-ups gehören. Gerade im Hinblick auf die ständig weiter wachsende Bedrohungslage ist es um so wichtiger, dass Start-ups sich der Wichtigkeit der von ihnen verarbeiteten Informationen klar werden und diese angemessen schützen.
  • Aufbau von Vertrauen: Ein ISMS nach ISO 27001 ist nicht bloß die Erfüllung einer Anforderung. Es demonstriert das eigene Engagement für die Sicherheit der Informationen, die sich im eigenen Besitz befinden. Und genau dadurch kann das Vertrauen von Kunden und Investoren in das Start-up enorm gestärkt werden.
  • Einhaltung gesetzlicher und/oder vertraglicher Vorschriften: Die Einhaltung von Datenschutzgesetzen wie der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) wird durch ein ISMS vereinfacht, was besonders für Start-ups wichtig ist, die in mehreren Märkten agieren. Außerdem finden sich immer öfter auch entsprechende Anforderungen in Kundenverträgen. Diese werden dann ebenfalls direkt bedient.
  • Skalierbarkeit und offene Marktsegmente: Wird ein ISMS gut beraten aufgebaut, erhöht es nicht nur sukzessive die Informationssicherheit und liefert als Gütesiegel Mehrwerte. Es hilft ebenfalls, gute Prozesse zu installieren und Strukturen zu schaffen, die das Wachstum nachhaltig machen und überhaupt erst Skalierungsfähigkeiten ins Unternehmen bringen. Dies dann sogar oftmals auf allen Ebenen.
  • Größere Finanzierungsrunden: Nicht nur das gestärkte Vertrauen, sondern auch das schlagartig und durch unabhängige Dritte bestätigte professionelle Auftreten beeindruckt Investoren regelmäßig und hebt ein Start-up aus der Masse hervor. Gleichzeitig öffnet die durch die Zertifizierung aufgestoßene Tür zu Großkunden oft auch den Geldbeutel der Investoren.

Worauf ist bei der Implementierung zu achten?

Der Prozess der Implementierung eines ISMS in einem Start-up umfasst mehrere kritische Schritte:

  • Festlegung der Sicherheitspolitik: Grundlage für ein wirksames ISMS ist die klare Definition einer Sicherheitspolitik. Diese legt die Richtung und die Ziele der Informationssicherheit fest und bildet das Fundament für alle weiteren Maßnahmen. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle, die mit dem System arbeiten, dies auch effektiv tun.
  • Risikobewertung: Eine der grundlegenden Komponenten bei der Implementierung eines ISMS ist die Risikobewertung. Hierbei werden potenzielle Risiken identifiziert, bewertet und priorisiert. Dieser Schritt ermöglicht es, gezielte Sicherheitsmaßnahmen zu planen und Ressourcen effizient einzusetzen.
  • Kontrollauswahl: Basierend auf den Ergebnissen der Risikobewertung erfolgt die Auswahl und Implementierung zielführender Sicherheitsmaßnahmen. Diese sollen die identifizierten Risiken minimieren und die Informationssicherheit nachhaltig gewährleisten. Gerade hier ist eine Umsetzung mit Weit- und Rundumblick wichtig.
  • Schulung und Bewusstsein: Ein entscheidender Schritt, der oft unterschätzt wird, ist die Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiter. Es ist wichtig sicherzustellen, dass alle im Unternehmen die Wichtigkeit von Informationssicherheit verstehen und die festgelegten Sicherheitsrichtlinien umsetzen können. Auch und oder gerade unter Nutzung von KI-Tools nehmen die Angriffe auf Unternehmen über Social Engineering enorm zu. Auch deren Qualität wird immer besser. Umso wichtiger ist es, hier richtig zu schulen.
  • Überwachung und Überprüfung: Die Implementierung eines ISMS ist nicht abgeschlossen, sobald die Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt sind. Es ist von großer Bedeutung, dass kontinuierlich die Effektivität des ISMS überwacht und überprüft wird. Dies gewährleistet, dass es mit dem sich ständig verändernden Risikoumfeld Schritt hält und Anpassungen vorgenommen werden können. Das System, die Strategie und der geschaffene Unternehmenswert müssen also gelebt werden.

Fazit

Für Start-ups, die in der heutigen digitalisierten Welt bestehen wollen, ist ein zertifiziertes ISMS nach ISO 27001 kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Es schützt nicht nur vor Cyberbedrohungen, sondern trägt auch wesentlich zum Geschäftserfolg und zur Marktpositionierung bei. Mit einem etablierten ISMS sind Start-ups besser gerüstet, um die Herausforderungen der heutigen digitalen Welt erfolgreich zu meistern.

Alexander Jaber

Alexander Jaber ist CEO & Founder der Compliant Business Solutions GmbH, Experte für Informationssicherheit und Datenschutz, Universitätsdozent an der DIPLOMA.

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