Home » News » KRITIS » Industrial Edge: Wenn Mini-Rechenzentren zum Sicherheitsrisiko werden

Industrial Edge: Wenn Mini-Rechenzentren zum Sicherheitsrisiko werden

Mikro-Rechenzentren steuern Produktionsanlagen, Logistik und Energieversorgung – oft weitgehend unbeachtet von der zentralen IT. Veraltete Hardware, fehlende Redundanz und schwer administrierbare Systeme machen diese Edge-Infrastrukturen jedoch zu einem Risiko für Sicherheit und Verfügbarkeit.

2 Min. Lesezeit
Der Text "MICRO DATA CENTER" ist umgeben von Icons wie Pfeilen und Servern
Foto: ©AdobeStock/bakhtiarzein

In Fertigungshallen, Energieanlagen oder Logistikzentren stehen zahllose kleine Server-Racks direkt neben Maschinen und Anlagen. Diese „zufälligen Rechenzentren“ verarbeiten Bilddaten, Telemetrie oder Steuerungsinformationen mit minimaler Latenz. Fällt hier etwas aus, kann deshalb unmittelbar auch die physische Produktion betroffen sein. Gleichzeitig entziehen sich viele dieser Systeme der konsequenten zentralen Administration – ein Problem, sobald Verfügbarkeit und Cybersecurity gemeinsam betrachtet werden.

Kritische IT direkt an der Maschine

Ein Gepäckfördersystem am Flughafen benötigt lokale Rechenleistung etwa für Echtzeit-Computer-Vision, um Tausende von Gepäckstücken pro Stunde präzise zu leiten. Offshore-Windkraftanlagen analysieren hochfrequente Sensordaten direkt vor Ort, Produktionslinien kontrollieren Tausende Produkte pro Minute. Eine dauerhafte Cloud-Anbindung wäre für solche zeitkritischen Prozesse weder zuverlässig noch immer technisch sinnvoll.

Damit entsteht jedoch eine besondere Sicherheitsanforderung: Edge-Systeme müssen auch bei unterbrochener Verbindung, Hardwarefehlern oder Störungen zentraler Dienste autonom weiterarbeiten können. Jede unnötige externe Abhängigkeit erhöht das Risiko, dass ein IT-Problem Auswirkungen auf den Anlagenbetrieb bekommt.

OT-Lebenszyklen treffen auf IT-Sicherheitsanforderungen

An der Schnittstelle von Operational Technology (OT) und Informationstechnik (IT) treffen unterschiedliche Welten aufeinander. OT-Systeme sind häufig auf jahrelangen unveränderten Betrieb ausgelegt – nach dem Prinzip „Never touch a running system“. IT-Sicherheit verlangt dagegen regelmäßige Updates, standardisierte Konfigurationen, Überwachung und zentrale Verwaltung.

Wer klassische Rechenzentrumsarchitekturen unverändert an das Industrial Edge überträgt, verschärft das Problem häufig. Storage Area Networks (SAN), komplexe Cluster und zahlreiche Softwarekomponenten schaffen zusätzliche Abhängigkeiten und damit potenzielle Fehler- und Angriffsflächen.

Hinzu kommen Staub, Hitze, Vibrationen und schwankende Stromversorgung. Benötigt eine Anwendung zusätzlich einen dritten Server oder eine permanente Netzwerkverbindung, kann bereits der Ausfall einzelner Komponenten lokale Dienste und damit Produktionsprozesse beeinträchtigen.

Weniger Komplexität, kleinere Angriffsfläche

Eine Alternative sind schlanke hyperkonvergente Infrastrukturen (HCI), bei denen Rechenleistung, Speicher und Virtualisierung in wenigen Systemen zusammengeführt werden. Zwei-Knoten-Architekturen können insbesondere kleine Edge-Standorte vereinfachen und gleichzeitig Redundanz bereitstellen.

Aus Sicherheitssicht ist diese Konsolidierung vor allem dann interessant, wenn sie weniger Komponenten, Schnittstellen und Administrationswege bedeutet. Automatisierte Wiederherstellung, zentrale Verwaltung und ein Betrieb ohne permanente Verbindung zur Zentrale können die Widerstandsfähigkeit zusätzlich erhöhen.

Die Cloud bleibt wichtig, löst jedoch keineswegs jede Herausforderung am Edge. Zeitkritische Anwendungen laufen lokal, während verdichtete Daten an Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP), Analyseplattformen oder KI-Anwendungen übertragen werden.

Resilienz wird zum Sicherheitsfaktor

Bei der Modernisierung industrieller Edge-Systeme geht es deshalb nicht allein um kleinere Server oder geringere Kosten. Unternehmen müssen die vielfach unbeachteten Mikro-Rechenzentren als Teil ihrer Sicherheitsarchitektur behandeln. Je einfacher, autonomer und zentral kontrollierbarer diese Systeme aufgebaut sind, desto geringer wird das Risiko, dass ein einzelner Hardware-, Netzwerk- oder Administrationsfehler unmittelbar die Produktion trifft.

Aus improvisierten Server-Racks müssen gezielt abgesicherte Edge-Systeme werden – denn in der Industrie ist die Verfügbarkeit der IT längst Bestandteil der Betriebssicherheit.

Tobias Pföhler, StorMagic

Maschinennahe Mini-Rechenzentren sind keine Ausnahmefälle, sondern in industriellen Umgebungen eher die Regel.
Foto: AIgen

Maschinennahe Mini-Rechenzentren sind keine Ausnahmefälle, sondern in industriellen Umgebungen eher die Regel.

Tobias Pföhler ist EMEA Sales Director bei StorMagic. Mit seiner Expertise in der IT, davon über 15 Jahre mit dem Schwerpunkt für Software-Defined Storage, hilft er Kunden und Partnern dabei, Hochverfübarkeit von Daten bei maximaler Funktionalität und Einfachheit zu erreichen.
Foto: StorMagic

Tobias Pföhler ist EMEA Sales Director bei StorMagic. Mit seiner Expertise in der IT, davon über 15 Jahre mit dem Schwerpunkt für Software-Defined Storage, hilft er Kunden und Partnern dabei, Hochverfübarkeit von Daten bei maximaler Funktionalität und Einfachheit zu erreichen.

Newsletter Abonnieren

Abonnieren Sie jetzt IT-SICHERHEIT News und erhalten Sie alle 14 Tage aktuelle News, Fachbeiträge, exklusive Einladungen zu kostenlosen Webinaren und hilfreiche Downloads.

Andere interessante News

Futuristisches KRITIS-Netzwerk

Cloud-Abhängigkeit wird für KRITIS zum Resilienzrisiko

85 Prozent der deutschen Unternehmen halten die Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern für zu groß. Für Betreiber kritischer Infrastrukturen wird daraus mehr als eine strategische Sor...

Rot leuchtende digitale Bank

KI-Risiken bedrohen Europas Banken

Die Europäische Zentralbank erhöht den Druck auf große Kreditinstitute: Fortschritte bei KI-Systemen offenbaren gefährliche Schwachstellen in der IT-Sicherheit. Experten warnen vor...

Flagge des Iran aus Binärcode

APT35 kartografierte Ziele vor Angriffen im Voraus

Ein neuer Bericht zeigt: Noch bevor Raketen und Drohnen eingesetzt wurden, hatte die iranische Gruppe APT35 kritische Infrastrukturen in allen Ländern, die später bombardiert werde...