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KI-Sicherheit durch universelle Plattformen: Gebündelte Schutzfunktionen gegen wachsende Komplexität

Künstliche Intelligenz (KI) erhöht die Produktivität, führt jedoch gleichzeitig zu höheren Kosten, gesteigerter Komplexität und erweiterten Cyberrisiken – besonders in hybriden Multi-Cloud-Architekturen. Können einheitliche Plattformen für die Bereitstellung und Absicherung von Anwendungen dabei helfen, die Potenziale durch KI sicher zu erschließen?

4 Min. Lesezeit
Horizont mit AI-Symbol
Foto: ©AdobeStock/KamStudio | qunoo

In der Unternehmenswelt hat sich KI längst etabliert: Laut dem „State of Application Strategy Report 2025“ von F5 setzen bereits 96 Prozent der Unternehmen KI-Modelle ein. Die Entwicklung beschleunigt sich weiter – innerhalb von drei Jahren sollen acht von zehn Anwendungen KI-Funktionen enthalten.

Diese Verbreitung bringt jedoch erhebliche Sicherheitsprobleme mit sich. Die KI-Anwendungen erzeugen enorme Datenmengen und vielschichtige Verkehrsmuster, die neue Angriffsvektoren schaffen. Gleichzeitig wird die unterstützende Infrastruktur zunehmend verteilter und komplexer, was die potenzielle Angriffsfläche vergrößert und die Fehleranfälligkeit bei der Bereitstellung erhöht.

Herkömmliche Sicherheitsansätze stoßen hier an ihre Grenzen, da nicht integrierte Einzellösungen isolierte Bereiche innerhalb der IT-Landschaft erzeugen. Dies erschwert ein einheitliches Sicherheitsmanagement erheblich.

Plattformen als Lösungsansatz

Angesichts dieser Herausforderungen setzen einige Anbieter daher auf einheitliche Lösungen, die verschiedene Funktionen wie Lastausgleich, API-Schutz und umfassende Analyse in einer Lösung vereinen sollen. Solche Systeme zielen darauf ab, KI-basierte Anwendungen bis zu ganzen KI-Fabriken zu unterstützen und dabei nahtlose Bereitstellung, zuverlässige Sicherheit sowie konsistente Leistung über diverse Umgebungen hinweg zu gewährleisten.

Bereits heute bietet der Markt mehrere Tools, die Anwendungen und APIs überall bereitstellen, sichern und optimieren sollen – von lokalen Rechenzentren über öffentliche Clouds bis zum Netzwerkrand (Edge Computing). Sie sind darauf ausgelegt, zentrale Transparenz, Automatisierung und Richtliniendurchsetzung mit leistungsstarkem Lastausgleich und Datenverkehrsmanagement sowie erweiterten App- und API-Sicherheitsfunktionen zu vereinen.

Von diesen Ansätzen versprechen sich Befürworter eine Entlastung der IT- und Sicherheitsteams durch mehr Einfachheit, Konsistenz und Übersichtlichkeit im Management hybrider Multi-Cloud-Architekturen.

Grundlegende Sicherheitsfunktionen

Für eine echte Vereinfachung des Sicherheitsmanagements müssen die Plattformen jedoch entsprechende Cybersecurity-Funktionen zur Abwehr von erweiterten Angriffen, Datendiebstahl, Datenschutzverstößen und anderen schädlichen Aktivitäten bieten. Dabei sollten sie sich an den OWASP-Top-Ten-Schwachstellen orientieren und vor Zero-Day-Angriffen schützen.

Eine Echtzeit-Überprüfung des Datenverkehrs und die automatisierte Verwaltung von Richtlinien gehören ebenfalls zu den grundlegenden Anforderungen. Besonders wichtig ist das Scannen von Web-Apps zur Identifizierung von Schwachstellen in großen Sprachmodellen (Large Language Models, LLMs). Mit dieser Funktionalität können Organisationen LLMs durchsuchen und Penetrationstests durchführen, um spezifische Sicherheitslücken aufzudecken, die den OWASP Top Ten für LLM-Anwendungen entsprechen.

Erheblich erschwert wird die Schwachstellensuche durch die starke API-Zunahme. Nicht geschützte oder überwachte APIs können jedoch zu Bedrohungen führen. Dazu gehören unbefugter Zugriff, Datenexfiltration, Injektionsangriffe und Denial-of-Service-(DoS)-Attacken. Daher benötigen einheitliche Plattformen leistungsfähige Tools für die Erkennung und den Schutz von APIs.

Parallel dazu nehmen clientseitige, browserbasierte Angriffe derzeit an Zahl und Intensität zu. Entsprechend müssen Unternehmen endpunktbasierte Schutzmechanismen nutzen, um die mit Datenexfiltration und bösartigen JavaScript-Angriffen verbundenen Risiken zu senken. Einheitliche Plattformen für die Softwaresicherheit sollten daher Einblick in bösartige Skripte und die von ihnen durchgeführten Aktionen ermöglichen.

Spezielle KI-Sicherheitsherausforderungen

Neben allgemeinen Risiken müssen Firmen auch die Eigenheiten von KI-Workloads berücksichtigen. Mit der Einführung von KI- und Hybrid-Cloud-Technologien bewegen sich sensible Daten oft über verschlüsselten Datenverkehr und nicht zugelassene KI-Tools, was zu Sicherheitslücken führen kann.

Herkömmliche Schutzmaßnahmen erkennen oder verhindern jedoch meist keine Datenlecks in diesen komplexen Umgebungen. Gefordert sind daher Lösungen, die:

  • Datenlecks im verschlüsselten und KI-gesteuerten Datenverkehr in Echtzeit erkennen, klassifizieren und stoppen;
  • Risiken durch unautorisierte KI-Nutzung und Offenlegung sensibler Daten verhindern und
  • einheitliche Richtlinien über Anwendungen, APIs und KI-Dienste hinweg durchsetzen können.

Mit diesen Funktionen lassen sich KI-Anwendungen sicher optimieren, skalieren und orchestrieren. Das ist notwendig, um die Komplexität hybrider Multi-Cloud-Infrastrukturen mit ihren sich ständig weiterentwickelnden Anforderungen an Sicherheit und Leistung zu bewältigen.

Erwartete Vorteile

Die Befürworter nennen für integrierte Plattformen mehrere Vorteile: Das konsolidierte Management für hybride Umgebungen soll die Komplexität deutlich reduzieren, da Unternehmen nicht mehr mit mehreren Einzellösungen umgehen müssen. Sofern die Integration gelingt, steigert diese Vereinfachung nicht nur die betriebliche Effizienz, sondern befreit auch Sicherheitsteams für strategischere Aufgaben.

Ein weiterer Vorteil: Verbesserte Sicherheitsvorkehrungen für KI-gestützte Anwendungen sollen zudem einen proaktiven Schutz vor neuen Bedrohungen ermöglichen. Das ist wichtig, da herkömmliche Sicherheitsmaßnahmen neuartige Angriffsvektoren für KI-Anwendungen häufig nicht erkennen.

Darüber hinaus können die oft umfangreichen Analysemöglichkeiten der Plattformen wertvolle Einblicke in die Leistung und Sicherheit von Applikationen bieten. Mithilfe umsetzbarer Informationen können Unternehmen die Zuweisung von Ressourcen optimieren und die Reaktionsfähigkeit von Anwendungen für eine reibungslose Nutzererfahrung verbessern.

Letztlich sollten vollständig programmierbare Datenebenen die automatisierte Anpassung von Funktionen zur Anwendungsbereitstellung erlauben. Wenn sich Geschäftsanforderungen ändern, könnten Organisationen so dank automatisierter Anpassungen ohne umfangreiche manuelle Eingriffe reagieren. Dadurch könnten sich Innovationszyklen und Markteinführungszeiten verkürzen.

Fazit

Die Integration von KI in Unternehmensanwendungen bringt neue Sicherheitsherausforderungen mit sich, die herkömmliche Ansätze oft nicht bewältigen können. Einheitliche Plattformen versprechen eine Lösung durch die Bündelung verschiedener Schutzfunktionen. Ob diese Konzepte die komplexen Anforderungen hybrider Multi-Cloud-Umgebungen vollständig erfüllen können, hängt von der konkreten Umsetzung und den spezifischen Unternehmensanforderungen ab.

Porträt Stephan Schulz

Stephan Schulz ist Senior Principal Solutions Engineer bei F5.

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