Cyber-Angriffe treffen deutsche KMU härter als gedacht
Fast jedes dritte deutsche KMU wurde binnen eines Jahres erfolgreich angegriffen. Besonders gravierend: Bei jedem dritten betroffenen Unternehmen gerieten Zahlungsfähigkeit oder Existenz in Gefahr. Der Hiscox Cyber Readiness Report 2026 zeigt, wie schnell Cyber-Vorfälle zum Geschäftsrisiko werden.

31 Prozent der deutschen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) waren im vergangenen Jahr von einem erfolgreichen Cyber-Angriff betroffen. Die wirtschaftlichen Folgen reichen dabei weit über technische Störungen hinaus. Von den angegriffenen Firmen sahen 33 Prozent ihre Zahlungsfähigkeit oder sogar ihre Existenz erheblich gefährdet. International lag dieser Anteil bei 25 Prozent.
Grundlage sind Daten des Marktforschungsinstituts Wakefield Research, das für Hiscox 6.800 Verantwortliche für Cyber-Security in Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten in zehn Ländern befragte.
Finanzbetrug und DDoS dominieren
Am häufigsten traf deutsche KMU Finanzbetrug durch Payment Diversion (Zahlungsumleitung: Angreifer bringen ein Unternehmen dazu, Geld auf ein von ihnen kontrolliertes Konto zu überweisen) mit 45 Prozent. Es folgen Distributed-Denial-of-Service-Angriffe (DDoS) mit 42 Prozent, der Missbrauch von IT-Ressourcen mit 40 Prozent, der Verlust unverschlüsselter Daten mit 35 Prozent sowie verschlüsselter Daten mit 28 Prozent. Ransomware und Erpressung machten 27 Prozent aus.
Damit zielen die Vorfälle direkt auf Zahlungsströme, Daten und Betriebsfähigkeit. Besonders deutlich wird das an den Ausfallzeiten: Angegriffene deutsche KMU standen im Schnitt 41,7 Stunden still. Global waren es 31,6 Stunden.
Reputationsangst trifft die Realität nur bedingt
Interessant ist die Diskrepanz zwischen befürchteten und tatsächlichen Folgen. 48 Prozent sehen Reputationsschäden als größte Sorge. Unter den tatsächlich Betroffenen berichteten jedoch nur 25 Prozent über negative Öffentlichkeitswirkung, 21 Prozent über verlorene Geschäftspartner und 18 Prozent über Kundenverluste.
Die unmittelbaren Folgen für Liquidität und Geschäftsbetrieb fallen damit häufig schwerer aus als der vielfach gefürchtete Imageschaden.
Cyber-Security wird zur Managementaufgabe
Nach einem Angriff koppeln 41 Prozent der deutschen KMU die Vergütung der Führungsebene an Cyber-Security-Ziele; weltweit sind es 32 Prozent. Cyber-Resilienz wird damit zunehmend Teil der Unternehmenssteuerung.
Klemens Lemke, Underwriting Manager Cyber bei Hiscox, warnt: „Ein erfolgreicher Angriff kann dennoch schnell existenziell werden.“ Im Ernstfall seien vor allem Liquidität, Geschäftsbetrieb und schnelle Unterstützung relevant.
Investiert wird durchaus: 97 Prozent der deutschen KMU ergreifen Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Cyber-Resilienz. 65 Prozent setzen auf aktualisierte Security-Trainings, 59 Prozent auf zusätzliches Personal und 55 Prozent auf Software. Gleichzeitig geben 58 Prozent jährlich weniger als umgerechnet rund 8.700 Euro aus; zwölf Prozent investieren überhaupt nichts.
KI schafft neue Angriffsflächen
Zusätzliche Risiken erwarten Unternehmen durch Künstliche Intelligenz (KI). Als wichtigste Bedrohungen der kommenden fünf Jahre nennen deutsche KMU Data Poisoning mit 45 Prozent, Schwachstellen durch externe KI-Tools wie ChatGPT mit 44 Prozent, sowie übermäßige KI-Abhängigkeit und schwindende menschliche Kontrolle mit jeweils rund 43 Prozent.
Der Report zeigt damit vor allem eines: Technische Abwehr allein reicht nicht. Cyber-Angriffe sind für KMU längst ein Risiko für Liquidität, Betriebsfähigkeit und Unternehmensfortbestand – und damit ein Thema für die Geschäftsleitung.
Weitere Informationen zum Hiscox Cyber Readiness Report 2026 gibt es hier.

Klemens Lemke, Underwriting Manager Cyber bei Hiscox
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