Cybercrime 2024: Polizei schlägt zurück – doch die Bedrohung bleibt hoch
Durch Cybercrime erleidet Deutschland jedes Jahr dreistellige Milliardenverluste. Hauptschadensverursacher bleiben Ransomware und DDoS-Angriffe. Das neue Bundeslagebild des BKA zeigt ein alarmierendes Ausmaß digitaler Kriminalität – aber auch Ermittlungserfolge gegen gut vernetzte Tätergruppen.

Deutschland steht im Fadenkreuz cyberkrimineller Angreifer – und das intensiver denn je. Mehr als 131.000 Cybercrime-Fälle wurden im Jahr 2024 innerhalb Deutschlands registriert. Hinzu kommen über 200.000 Taten aus dem Ausland beziehungsweise unklarer Lokation. Während digitale Angriffe durch ihre Dynamik und Internationalität eine stetig wachsende Herausforderung darstellen, gelingt es den Sicherheitsbehörden zunehmend, zurückzuschlagen. Das nun veröffentlichte Bundeslagebild Cybercrime 2024 zeigt: Der digitale Untergrund ist professioneller und gefährlicher geworden – aber nicht unbesiegbar.
Ransomware dominiert die Bedrohungslage
Mit 950 schweren Ransomware-Angriffen, die im Jahr 2024 polizeilich angezeigt wurden, bleibt diese Form der digitalen Erpressung das zentrale Risiko im Cyberraum. Die Täter verschlüsseln und stehlen Daten, um anschließend Millionenbeträge an Lösegeld zu fordern. Besonders im Visier: kritische Infrastrukturen, öffentliche Verwaltungen und mittelständische Unternehmen – häufig mit katastrophalen Folgen für Betrieb und – etwa wenn ein wichtiger Versorgungssektor betroffen ist – auch die Öffentlichkeit.
„Jeden Tag werden der Polizei in Deutschland zwei bis drei schwere Ransomware-Angriffe angezeigt“, so BKA-Präsident Holger Münch. „Sie können Unternehmen in ihrer Existenz bedrohen, die öffentliche Verwaltung lähmen oder auch Kunden von Verkehrsbetrieben betreffen.“ Allein der wirtschaftliche Schaden durch Cyberangriffe belief sich laut Bitkom auf 178,6 Milliarden Euro – ein Anstieg um über 30 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr.
Geopolitische Spannungen treiben DDoS-Kampagnen
Neben Ransomware dominierten 2024 auch hacktivistische DDoS-Angriffe das Cybergeschehen. Dabei handelte es sich vielfach um politisch motivierte Kampagnen mit pro-russischer oder anti-israelischer Ausrichtung. Betroffen waren insbesondere öffentliche Einrichtungen, Behörden, Logistikunternehmen und das verarbeitende Gewerbe.
Mit Aktionen wie der Abschaltung der Plattform Dstat.CC im Oktober 2024 – einem der wichtigsten Anbieter für sogenannte „Stresserdienste“ – konnten Polizei und internationale Partner ein deutliches Zeichen setzen. Solche Dienste erleichtern DDoS-Angriffe massiv und stehen zunehmend im Visier von Strafverfolgungsbehörden.
Cybercrime wird zur Industrie – KI als Beschleuniger
Die Cyberkriminalität entwickelt sich weiter: Plattformen für illegale Dienstleistungen agieren längst nach dem Prinzip industrieller Dienstleister. Im Modell Cybercrime-as-a-Service bieten best organisierte Tätergruppen spezialisierte Module an – vom Phishing-Kit bis zum Ransomware-Baukasten.
Diese Entwicklung wird durch Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz zusätzlich beschleunigt. So entstehen immer raffiniertere Angriffsformen, die schwerer zu erkennen und abzuwehren sind.
Ermittlungserfolge setzen kriminelle Strukturen unter Druck
Trotz der zunehmenden Professionalisierung der Täter gelang es den Behörden 2024, zahlreiche Schläge gegen die Szene zu führen. Die Abschaltung von Plattformen wie AegisTools.pw, Crimenetwork und Dstat.CC, mehrere Festnahmen und internationale Operationen wie „Endgame“ zeigen Wirkung.
Das Bundeskriminalamt setzt dabei auf eine mehrgleisige Strategie: Neben der gezielten Zerschlagung technischer Infrastrukturen und dem Einzug finanzieller Ressourcen rücken auch öffentliche Fahndungen und Sanktionen in den Fokus. Ziel ist es, das Vertrauen innerhalb der Tätergruppen zu erschüttern – mit Erfolg: Die Zahl der Lösegeldzahlungen ist gesunken, ebenso die Einnahmen der Angreifer.
Die Fronten verhärten sich
Das Bundeslagebild Cybercrime 2024 offenbart eine hoch angespannte digitale Sicherheitslage. Die Angriffe werden komplexer, die Täter skrupelloser – doch der Rechtsstaat ist nicht machtlos. Durch gezielte Ermittlungen, internationale Kooperation und neue Ansätze wie disruptive Kommunikation gewinnt die Polizei an Boden.
Gleichzeitig bleibt die Bedrohungslage hoch. Cyberangriffe sind längst nicht nur ein technisches Problem, sondern ein gesamtgesellschaftliches Risiko. Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sind gleichermaßen gefordert, den digitalen Schutzwall zu stärken.
Weitere Informationen:
- Bundeslagebild Cybercrime 2024: www.bka.de/BLBCybercrime2024
- Informationen zu Schutzmaßnahmen für Unternehmen, Behörden und Verbraucherinnen und Verbraucher: www.bsi.bund.de
- Kontakt zu den Zentralen Ansprechstellen Cybercrime für Unternehmen: www.polizei.de/zac
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