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Ransomware wird persönlich: Wenn Angreifer Mitarbeiter und Familien bedrohen

Cybererpressung reicht über verschlüsselte Rechner hinaus: Eine Befragung von 1.200 IT- und Sicherheitsexperten berichtet von Einschüchterung, Gewalt und Angriffen auf Angehörige. Zugleich zeigen sich erhebliche Lücken beim Schutz der Identitätssysteme.

2 Min. Lesezeit
Hacker vor Bildschirm mit menschlicher Silhouette
Foto: ©AdobeStock/Belatrix

Ransomware bedroht nicht nur Daten und Betriebsabläufe, sondern auch Menschen. Im „Ransomware Risk Report 2026“ von Semperis berichten rund 40 Prozent der Befragten von körperlicher Gewalt oder psychischer Einschüchterung im Zusammenhang mit einem Angriff. In Deutschland nennen 24 Prozent physische Gewalt und 33 Prozent Einschüchterungsversuche.

Die Zahlen beschreiben Erfahrungen bereits betroffener Unternehmen, keine allgemeine Wahrscheinlichkeit solcher Übergriffe. Censuswide befragte im ersten Halbjahr 2026 ausschließlich Experten aus Organisationen, die innerhalb der vorangegangenen zwölf Monate Ransomware-Angriffe erlebt hatten. Ein zeitlicher Anstieg lässt sich aus dieser Befragung allein nicht ableiten.

Erpressung zielt auf das persönliche Umfeld

Psychologische Einschüchterung spielte laut Erhebung bei fast jedem vierten Angriff eine Rolle, in Deutschland bei jedem dritten. In 53 Prozent dieser Fälle, hierzulande 49 Prozent, hätten Täter ihre Drohungen umgesetzt. Welche Handlungen dabei jeweils erfasst wurden, bleibt in den vorliegenden Angaben offen.

Chris Inglis, früherer nationaler Cyberdirektor der USA und strategischer Berater bei Semperis, beschreibt das Kalkül: Täter wollten „die Kosten für den Widerstand gegen seine Forderungen höher“ machen „als die Kosten für ein Nachgeben“. Die Befragung nennt weitreichende Folgen:

  • 24 Prozent der Opfer oder Familienangehörigen wurden Opfer von Swatting, also eines böswillig ausgelösten Polizeieinsatzes; in Deutschland 32 Prozent.
  • 25 Prozent der Opfer suchten infolge des Angriffs psychologische und medizinische Hilfe; in Deutschland 37 Prozent.
  • 24 Prozent der Opfer oder Familienangehörigen engagierten einen privaten Sicherheitsdienst; in Deutschland 35 Prozent.

Identitäten bleiben ein zentraler Angriffspunkt

Neben persönlichen Bedrohungen erfasst die Studie technische Angriffsmuster und wiederholte Erpressung. Ihre zentralen Befunde:

  • Bedrohungen gegen Mitarbeiter und Familien: Bei 37 Prozent der Angriffe spielten psychologische oder physische Drohungen gegen Mitarbeiter eine Rolle; in Deutschland 45 Prozent.
  • Identitätsinfrastruktur als Angriffsziel:87 Prozent der Angriffe weltweit und in Deutschland zielten auf Systeme wie Active Directory (AD), Entra ID und Okta. Nur etwa die Hälfte der Unternehmen verfügt über dedizierte Identitäts-Backups, automatisierte Wiederherstellungslösungen und identitätsspezifische Krisenverfahren.
  • Mehrfachangriffe und Mehrfachzahlungen: Fast 70 Prozent der betroffenen Unternehmen wurden wiederholt angegriffen; in Deutschland 74 Prozent. 31 Prozent zahlten mehrfach, hierzulande 25 Prozent.
  • Künstliche Intelligenz (KI) als Angriffsmittel: Bei 84 Prozent der Angriffe kam KI zum Einsatz; in Deutschland 42 Prozent. Wie dieser Einsatz erkannt und abgegrenzt wurde, erläutern die vorliegenden Angaben nicht.

Wiederanlauf allein reicht nicht

Fast 75 Prozent der erfolgreichen Angriffe richteten sich gegen Identitätssysteme oder nutzten diese aus; in Deutschland waren es 91 Prozent. Dedizierte Identitäts-Backups besitzen 50 Prozent der Unternehmen, hierzulande 57 Prozent. Weniger als die Hälfte automatisiert die Wiederherstellung, in Deutschland 59 Prozent. Bei 60 Prozent fehlen entsprechende Verfahren in den Krisenplänen; hierzulande bei 40 Prozent.

Michael Scheffler, Vertriebsverantwortlicher für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Semperis, warnt: „Angreifer können Hintertüren und Schadsoftware hinterlassen, die auch nach der Wiederherstellung unbemerkt aktiv bleiben.“

Für die Krisenvorsorge folgt daraus eine doppelte Aufgabe: Identitäten nachweislich sauber wiederherstellen und den Schutz gefährdeter Mitarbeiter samt Angehörigen berücksichtigen. Die Befragung umfasst Nordamerika, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und den asiatisch-pazifischen Raum. Vertreten sind Finanzwesen, kritische Infrastruktur, Bundesbehörden, Gesundheitswesen, IT und Telekommunikation, Fertigung, Transportwesen, Landes- und Kommunalverwaltungen sowie Bildungswesen.

Den vollständigen Ransomware Risk Report 2026 gibt es hier.

Porträt Michael Scheffler
Foto: Semperis

Michael Scheffler, Area Vice President Sales DACH bei Semperis

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