Cybersicherheit im Wandel:: Wie KI in den Chefetagen bewertet wird
Trotz wachsender Bedrohungen durch KI-gestützte Cyberangriffe herrscht in den Führungsetagen deutscher, österreichischer und schweizerischer Unternehmen noch große Unsicherheit über den Nutzen künstlicher Intelligenz in der Verteidigung. Doch der Blick in die Zukunft zeigt: Die Mehrheit glaubt an eine zentrale Rolle der Technologie.

Künstliche Intelligenz ist längst Teil des Werkzeugkastens von Cyberkriminellen – sei es in Form realistischer Deepfakes, intelligenter Phishing-Kampagnen oder automatisierter Social-Engineering-Angriffe. Gleichzeitig bieten KI-gestützte Technologien enorme Chancen für die Cyberabwehr: Sie helfen bei der Früherkennung von Angriffsmustern, beschleunigen Reaktionszeiten und ermöglichen eine automatisierte Analyse von Sicherheitsvorfällen.
Doch wie schätzen Entscheidungsträger in Unternehmen der DACH-Region das Potenzial dieser Technologie ein? Die aktuelle Management-Studie von Sophos, in dessen Auftrag das Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Frühjahr 2025 insgesamt 300 Führungskräfte aus der DACH-Region befragt hat, zeigt ein zwiegespaltenes Bild – geprägt von Unsicherheit, aber auch wachsendem Zukunftsvertrauen. Wichtiges Detail: IT-Verantwortliche waren von der Befragung ausgeschlossen, um ein möglichst neutrales Bild der Managementsicht zu erhalten.
KI bleibt für viele eine Blackbox
Nur etwa 20 Prozent der befragten Führungskräfte halten den Einsatz von KI derzeit für „sehr wichtig“ im Bereich der Cybersicherheit. Demgegenüber sehen rund 28 Prozent die Technologie primär als Risiko, da sie ebenso von Angreifern genutzt wird. Der größte Anteil – 36 Prozent – gibt offen zu, die Bedeutung von KI in der Cyberabwehr nicht einschätzen zu können. Diese Unentschlossenheit ist ein zentrales Ergebnis der Studie und zeigt: In vielen Vorstandsetagen fehlt bislang das nötige Wissen, um KI als strategischen Hebel zu begreifen.
Michael Veit, Security Evangelist bei Sophos, spricht von einer digitalen Schlüsselphase: „Viele Führungskräfte sind derzeit verunsichert, weil sie das Potenzial und die Risiken von KI nicht klar gegeneinander abwägen können. Es braucht mehr Aufklärung, Pilotprojekte und Weiterbildung, um fundierte Entscheidungen zu ermöglichen.“
Branche entscheidet über Perspektive
Wie die Umfrage weiter zeigt, hängt die Bewertung von KI stark vom Branchenkontext ab. Im verarbeitenden Gewerbe etwa herrscht besonders große Unsicherheit – hier können fast 40 Prozent die Relevanz der Technologie nicht einschätzen. Im Dienstleistungssektor liegt dieser Wert ebenfalls hoch, wird jedoch begleitet von einer höheren Einschätzung der strategischen Relevanz.
Der Handel hingegen fällt durch besondere Skepsis auf: Fast 39 Prozent der dort Befragten sehen in KI vor allem eine neue Angriffsfläche, weniger ein Verteidigungsinstrument. Diese Haltung dürfte eng mit den in dieser Branche häufigen Betrugs- und Social-Engineering-Vorfällen zusammenhängen.
Je größer das Unternehmen, desto größer das Vertrauen
Auch die Unternehmensgröße spielt eine wichtige Rolle. Größere Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitenden zeigen sich deutlich aufgeschlossener gegenüber KI in der Cyberabwehr. In Deutschland stuften rund 28 Prozent den Einsatz als „sehr wichtig“ ein, in Österreich lag der Wert bei knapp 29 Prozent, in der Schweiz sogar bei über 35 Prozent.
In kleineren Unternehmen hingegen wird KI deutlich seltener als strategisch relevant wahrgenommen. Die Ergebnisse legen nahe: Mit wachsender Unternehmensgröße steigt auch die digitale Reife – und damit das Vertrauen in moderne Technologien.
Generationsfrage: Wer vertraut, wer zögert?
Besonders deutlich fällt der Unterschied zwischen jüngeren und älteren Führungskräften aus. Unter den unter 45-Jährigen ist die Zustimmung zur Bedeutung von KI in der Cyberabwehr deutlich höher. In der Schweiz etwa halten 26 Prozent der Jüngeren KI für wichtig – bei den über 45-Jährigen sind es nur sieben Prozent. Umgekehrt ist die Unsicherheit bei der älteren Generation durchweg am größten.
Dieser Unterschied lässt sich auch im Zukunftsausblick ablesen: In der Schweiz halten mehr als 78 Prozent der Jüngeren eine zentrale Rolle von KI in der Cybersicherheit in den nächsten fünf bis zehn Jahren für realistisch – ein deutliches Signal für kommende technologische Weichenstellungen.
Ländervergleich: Schweiz mit Zurückhaltung, Österreich mit Optimismus
Die Studie zeigt auch deutliche Unterschiede zwischen den Ländern. Die Schweiz ist im Ländervergleich am zurückhaltendsten: Nur 16 Prozent der Führungskräfte dort halten KI aktuell für strategisch relevant. Gleichzeitig fühlen sich fast die Hälfte (48 Prozent) nicht in der Lage, die Rolle der Technologie zu bewerten.
In Deutschland (21 Prozent) und Österreich (22 Prozent) ist die aktuelle Zustimmung zur strategischen Relevanz von KI höher. Noch deutlicher fällt der Unterschied im Zukunftsausblick aus: Während in Deutschland 65 Prozent der Befragten eine zentrale Rolle von KI künftig für möglich halten, sind es in Österreich 72 Prozent – und in der Schweiz sogar 74 Prozent.
Der Weg zur strategischen Nutzung
Trotz der aktuellen Unsicherheit erkennen viele Führungskräfte die wachsende Bedeutung von KI in der Cybersicherheit. Die Erkenntnis, dass intelligente Systeme künftig eine Schlüsselrolle übernehmen könnten, setzt sich zunehmend durch. Damit dies nicht nur ein theoretisches Zukunftsszenario bleibt, braucht es praktische Umsetzungsschritte:
- Kleine, risikoarme Pilotprojekte etwa in der Bedrohungserkennung oder im E-Mail-Schutz
- Klare interne Regeln zum Umgang mit KI-Systemen
- Investitionen in Weiterbildung und Kompetenzaufbau
„Entscheidend ist, dass Unternehmen KI nicht als abstraktes Konzept begreifen, sondern durch konkrete Anwendungen Vertrauen aufbauen“, so Michael Veit. „Nur so lässt sich das Potenzial dieser Technologie nachhaltig erschließen.“
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