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Digitale Souveränität: : Europa sucht seine Unabhängigkeit im Zahlungsverkehr

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos warnt BSI-Präsidentin Claudia Plattner vor Europas digitaler Abhängigkeit. Mit digitalem Euro und europäischer Identitätswallet skizziert sie einen Weg zu mehr Kontrolle, Sicherheit und wirtschaftlicher Eigenständigkeit im Finanzsektor.

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Stapel mit digitalem Euro
Foto: ©AdobeStock/Creative Amateur

Europa zahlt digital, aber nicht europäisch. Diese nüchterne Erkenntnis stand im Zentrum der Diskussionen, die Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), auf dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos mit internationalen Wirtschaftsexperten führte. Der europäische Finanzsektor ist hochgradig von außereuropäischen Technologien abhängig – mit weitreichenden Folgen für Sicherheit, Resilienz und politische Handlungsfähigkeit.

Abhängigkeit als strategisches Risiko

Rund sechzig Prozent aller Kartenzahlungen im Euroraum werden über nicht europäische Systeme abgewickelt, vor allem über Anbieter aus den Vereinigten Staaten von Amerika. In Deutschland ist die Lage noch drastischer: Der Marktanteil US-amerikanischer Kreditkartensysteme liegt nahezu bei einhundert Prozent. Auch im mobilen Zahlungsverkehr dominieren amerikanische Plattformen. Was für Verbraucher bequem ist, stellt aus staatlicher Perspektive ein erhebliches Risiko dar – denn Kontrolle, Datenhoheit und technische Standards liegen weitgehend außerhalb Europas.

Souveränität durch europäische Infrastruktur

Plattner machte deutlich, dass digitale Souveränität nicht durch Abschottung entsteht, sondern durch eigene, leistungsfähige Alternativen. Europa verfüge über starke technologische Grundlagen, müsse diese jedoch konsequent zusammenführen. Ein zentrales Element ist die europäische digitale Geldbörse, die European Digital Identity Wallet (EUDI). Sie soll Bürgern ab 2027 ermöglichen, offizielle Dokumente wie Personalausweis, Führerschein, Zeugnisse etc. sicher auf dem Smartphone zu speichern und europaweit digital zu nutzen. Damit entsteht erstmals eine gemeinsame digitale Identitätsinfrastruktur für die Europäische Union.

Digitaler Euro als zweites Standbein

In Kombination mit dem geplanten digitalen Euro sieht Plattner einen strategischen Durchbruch. Der digitale Euro, ausgegeben von der Europäischen Zentralbank, soll Bargeld ergänzen und eine sichere, kostenlose und europaweit nutzbare digitale Zahlungsmöglichkeit schaffen. Besonders relevant: Er soll auch offline funktionieren und damit ein Maß an Resilienz bieten, das heutige Zahlungssysteme nicht leisten. Vor allem aber reduziert er die Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungsanbietern erheblich.

Identität, Zahlung und Sicherheit zusammendenken

Der eigentliche Hebel liegt in der Verbindung beider Systeme. Wenn digitale Identität und digitales Bezahlen auf europäischer Infrastruktur zusammenlaufen, entsteht ein Ökosystem, das Sicherheit, Datenschutz und Kontrolle vereint. Die EUDI-Wallet kann zur Grundlage für Identitäts- und Zugriffsmanagement in Verwaltung, Wirtschaft und Finanzwesen werden. Kombiniert mit einem europäischen Zahlungssystem in der Wallet gewinnt Europa ein Instrument, das weit über Technik hinausgeht – es wird zu einem geopolitischen Faktor.

Mehr als ein technisches Projekt

Plattners Botschaft in Davos war klar: Digitale Souveränität ist kein abstraktes Ziel, sondern eine Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität und politische Selbstbestimmung. In einer zunehmend fragmentierten Welt entscheidet die Kontrolle über digitale Infrastrukturen darüber, wer handlungsfähig bleibt. Europa hat die Chance, diese Kontrolle zurückzugewinnen – wenn es den Mut hat, seine eigenen Karten zu spielen.

BSI-Präsidentin Claudia Plattner beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit Stefan Schaible Michael Theurer und Sebastian Schmid
BSI-Präsidentin Claudia Plattner (3.v.l.) sprach beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit Stefan Schaible (1.v.l.), Global Managing Partner bei Roland Berger, Michael Theurer, (2.v.l., Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank) und Sebastian Schmid (r., Chefredakteur der Börsen-Zeitung) über Strategien für ein digital souveränes Europa.

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