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Fertigungsindustrie im Fadenkreuz: Warum Cyber-Resilienz Chefsache ist

Die Fertigungsindustrie steht unter massivem Beschuss. Ransomware, Lieferkettenangriffe und geopolitisch motivierte Cyber-Attacken haben die Zahl der Angriffe dramatisch ansteigen lassen. Für Führungskräfte bedeutet das: Cyber-Sicherheit ist längst kein exklusives IT-Thema mehr, sondern ein entscheidender Faktor für Umsatz, Wettbewerbsfähigkeit und Reputation.

2 Min. Lesezeit
Cybersecurity in der Automobilproduktion
Foto: ©AdobeStock/Danila

Im Jahr 2025 verzeichnete ein Fertigungsbetrieb im Durchschnitt 1585 wöchentliche Cyber-Angriffe – ein Anstieg um dreißig Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders betroffen waren Lateinamerika und die Region Asien-Pazifik, während Europa mit Ländern wie den Niederlanden, Spanien oder Österreich das schnellste Wachstum verzeichnete. Das sind Ergebnisse aus dem „Manufacturing Security Report“, den Check Point jetzt veröffentlicht hat.

Hacker wissen, dass jede Stunde Produktionsstillstand Millionen kosten kann. Daher reicht es aus, die Produktion lahmzulegen, um Lösegeld zu erpressen – ohne dass Kundendaten gestohlen werden müssen. Die Folgen sind gravierend, wie aktuelle Fälle zeigen:

  • Clorox erlitt 2023 durch Ransomware Quartalsverluste von 356 Millionen US-Dollar.
  • Nucor, Nordamerikas größter Stahlproduzent, musste 2025 nach einem Angriff die Produktion stoppen.
  • Sensata Technologies verzeichnete 2025 massive Lieferverzögerungen.
  • Die Schumag AG aus Deutschland wurde 2024 durch wiederholte Ransomware-Attacken sogar in die Insolvenz gezwungen.

Neben finanziellen Verlusten drohen kaskadierende Effekte: Vertrauensverlust, gebrochene Verträge, behördliche Auflagen und langfristige Wettbewerbsnachteile.

Lieferketten als Achillesferse

Hersteller sind tief in globale Netzwerke eingebunden. Jedes vernetzte IoT-Gerät, jeder Zulieferer und jeder externe Zugang kann ein Einfallstor sein. Cyber-Kriminelle handeln bereits mit gestohlenen Zugangsdaten zu Produktionsnetzen, die Ransomware-Gruppen nutzen, um Angriffe effizient vorzubereiten.

Die Gefahr geht weit über einzelne Unternehmen hinaus. Angriffe auf Lieferketten können ganze Branchen ausbremsen, Just-in-Time-Prozesse unterbrechen und das Vertrauen von Kunden nachhaltig beschädigen. Für eine Industrie, die auf Effizienz und Termintreue angewiesen ist, sind solche Störungen existenzbedrohend.

Geopolitik als Risikofaktor

Immer häufiger treten staatlich unterstützte Akteure auf den Plan, die geistiges Eigentum stehlen oder gezielt Produktionsprozesse sabotieren. Entwürfe für Drohnen, Fahrzeugdesigns oder militärische Technologien wurden bereits abgegriffen. Parallel dazu attackieren Hacktivisten die Lieferketten in den Bereichen Energie, Verteidigung und kritische Infrastruktur.

Die Folgen sind weitreichend: Der Verlust von Innovationen gefährdet die technologische Führungsrolle, während Produktionsausfälle ganze Volkswirtschaften ins Wanken bringen. Geopolitische Spannungen verstärken diesen Trend, sodass Unternehmen unfreiwillig zu Schachfiguren globaler Konflikte werden.

Vier Prioritäten für Führungskräfte

Um sich gegen diese Bedrohungen zu wappnen, müssen Entscheider Cyber-Sicherheit als Teil ihrer Geschäftsstrategie begreifen:

  • Widerstandsfähigkeit in den Betrieb integrieren: Kontinuitätspläne und schnelle Wiederherstellungszeiten sind Pflicht.
  • Lieferketten absichern: Einheitliche Sicherheitsstandards für Partner und Zulieferer sind entscheidend.
  • Geistiges Eigentum schützen: Investitionen in Abwehrmaßnahmen und Data-Loss-Prevention verhindern strategische Verluste.
  • Präventive Verteidigung stärken: Über regulatorische Mindestanforderungen hinaus sollte Prävention im Mittelpunkt stehen.

Fazit

Die Fertigungsindustrie ist heute einem beispiellosen Ausmaß an Cyber-Bedrohungen ausgesetzt. Veraltete Systeme, komplexe Lieferketten und die Abhängigkeit von kontinuierlicher Produktion machen sie besonders verwundbar. Führungskräfte, die Cyber-Resilienz zur Chefsache machen, schützen nicht nur ihre Produktionslinien, sondern sichern auch die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens. Wer jetzt handelt, verschafft sich einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Hier gibt es den vollständigen Manufacturing Security Report mit Daten, Trends und Fallstudien.

Marco Eggerling, Global CISO bei Check Point Software Technologies
Foto: Check Point

Marco Eggerling, Global CISO bei Check Point Software Technologies

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