Home » News » Cybercrime setzt Deutschland immer stärker unter Druck

Cybercrime setzt Deutschland immer stärker unter Druck

Cyberkriminalität bleibt eine der größten Sicherheitsbedrohungen für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Das Bundeslagebild Cybercrime 2025 zeigt: Ransomware, Überlastungsangriffe, Phishing und Angriffe aus dem Ausland nehmen weiter zu.

2 Min. Lesezeit
Cybersecurity in Deutschland
Foto: ©AdobeStock/ImageFlow

Die Bedrohung durch Cyberkriminalität in Deutschland bleibt hoch – und sie wird komplexer. Das Bundeslagebild Cybercrime 2025, vorgestellt von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Martina Link, Vizepräsidentin des Bundeskriminalamtes, zeichnet ein klares Bild: Angriffe auf Unternehmen, Behörden und kritische Infrastrukturen nehmen zu, besonders schwere Cyberdelikte gewinnen an Bedeutung. Rund 334.000 Cybercrimefälle wurden registriert. Wegen des großen Dunkelfeldes dürfte die tatsächliche Zahl jedoch deutlich höher liegen. Der durch den Bitkom e. V. festgestellte Schaden durch Cyberattacken beträgt 202,4 Milliarden Euro.

Künstliche Intelligenz verändert die Angriffsmuster

Ein zentraler Treiber der Entwicklung ist Künstliche Intelligenz (KI). Cyberkriminelle nutzen entsprechende Werkzeuge, um Angriffe schneller, gezielter und professioneller vorzubereiten. Phishing wird glaubwürdiger, Schadsoftware kann effizienter angepasst werden, und Schwachstellen lassen sich systematischer ausnutzen. Gleichzeitig bietet KI auch Chancen für Verteidiger: Sie kann helfen, Muster früher zu erkennen, Auffälligkeiten schneller zu bewerten und Sicherheitslücken gezielter zu priorisieren.

Besonders sichtbar bleibt die Bedrohung durch Ransomware. 2025 wurden 1.041 entsprechende Angriffe angezeigt, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Betroffen sind vor allem Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Die gemeldete Gesamtsumme der Lösegeldzahlungen lag bei rund 15,5 Millionen US-Dollar. Dass dennoch immer weniger Betroffene zahlen, deutet auf eine wachsende Widerstandsfähigkeit vieler Organisationen hin. Ransomware bleibt jedoch gefährlich, weil sie Geschäftsprozesse blockieren, Daten verschlüsseln und ganze Verwaltungen oder Betriebe lahmlegen kann.

Überlastungsangriffe treffen Staat und Infrastruktur

Auch Überlastungsangriffe haben deutlich zugenommen. Die Zahl der gemeldeten Angriffe stieg 2025 um 25 Prozent auf 36.706 Fälle. Solche Angriffe werden häufig von hacktivistischen Gruppen eingesetzt und richten sich besonders gegen Behörden, Verwaltungen sowie Verkehrs- und Logistikunternehmen. Das Ziel ist nicht immer Datendiebstahl. Oft geht es einfach darum, Dienste unerreichbar zu machen, Abläufe zu stören und politische oder gesellschaftliche Wirkung zu erzeugen.

Phishing bleibt trotz eines leichten Rückgangs ein Massenphänomen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen verzeichnete 2025 in Deutschland 382.470 Phishing-Mails. Das sind rund zehn Prozent weniger als 2024, dennoch bleibt das Niveau hoch. Der Grund liegt in der simplen, aber wirksamen Methode: Gefälschte Nachrichten sollen Empfänger dazu bringen, Zugangsdaten preiszugeben, Zahlungen auszulösen oder Schadsoftware zu öffnen.

Polizei warnt vor wachsendem Druck

Die Gewerkschaft der Polizei bewertet die Entwicklung mit großer Sorge. Besonders alarmierend ist aus ihrer Sicht, dass Straftaten aus dem Ausland inzwischen häufiger registriert werden als Inlandstaten. Alexander Poitz, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, spricht von einer „dramatischen Entwicklung, die wir bereits bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik sehen konnten und die uns alle beunruhigen muss“.

Poitz verweist zudem auf die Dunkelfeldstudie „Sicherheit und Kriminalität in Deutschland“. Danach war jeder fünfte Befragte bereits von Cyberkriminalität betroffen. „Mehr als jeder Zweite fürchtet zudem, Opfer dieser Kriminalitätsform zu werden. Hier ist eine starke Zunahme zu erkennen. Wir brauchen dringend mehr Aufklärung und Prävention“, warnt Poitz.

Seine Forderung richtet sich auch an die Politik. Die Polizeien von Bund und Ländern bräuchten eine zeitgemäße digitale Ausstattung sowie bessere Aus- und Fortbildung. Zudem müssten rechtliche Grundlagen angepasst werden. „Die Polizeigesetze der Länder müssen an die aktuellen Herausforderungen angepasst werden“, so Poitz. Das Bundeslagebild macht damit deutlich: Cybercrime ist längst kein Randphänomen mehr, sondern eine Dauerbelastung für Sicherheitsbehörden, Wirtschaft und Gesellschaft.

Der vollständige Lagebericht ist hier herunterzuladen.

Newsletter Abonnieren

Abonnieren Sie jetzt IT-SICHERHEIT News und erhalten Sie alle 14 Tage aktuelle News, Fachbeiträge, exklusive Einladungen zu kostenlosen Webinaren und hilfreiche Downloads.

Andere interessante News

Cyberbedrohung der Lieferkette

Lehren aus DAEMON Tools

Ein Softwareupdate gilt als Routine – bis es zum Einfallstor wird. Der Angriff auf DAEMON Tools zeigt, wie Angreifer Vertrauen in legitime Werkzeuge missbrauchen. Für Unternehmen u...

Futuristische Handflächenerkennungs-Technologie Sicherheitsauthentifizierung Identifikation

Ohne Identitätssicherheit droht Kontrollverlust

Autonome KI-Agenten ziehen in Unternehmen ein, doch die Sicherheitsarchitektur hält oft nicht Schritt. Der neue Business at Work Report von Okta zeigt: Identity and Access Manageme...

Risiken KI-gestützter Prozesse

Warum autonome KI-Berechtigungen hochriskant sind

Ein KI-Agent löscht eine Produktionsdatenbank samt aktueller Backups. Der Fall zeigt drastisch, warum Unternehmen autonome Systeme nicht nur über Regeln steuern dürfen, sondern übe...