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Wolkenwechsel: : Warum immer mehr Unternehmen die US-Cloud verlassen wollen

Knapp die Hälfte der deutschen Unternehmen denkt über einen Strategiewechsel in der Cloud nach – viele mit Blick auf die Abhängigkeit von US-Anbietern. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Der Vertrauensverlust ist spürbar, die Suche nach europäischen Alternativen hat längst begonnen. Und besonders die IT-Fachabteilungen treiben den möglichen Exit voran.

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Offene Tür zwischen Wolken
Foto: ©AdobeStock/MST

Die Zeiten bedingungslosen Vertrauens in amerikanische Cloud-Dienstleister scheinen vorbei. Zwar setzen laut einer Schnellumfrage von TechConsult im Auftrag von eperi weiterhin über 80 Prozent der deutschen Unternehmen auf US-Clouds, doch fast die Hälfte von ihnen hinterfragt diese Strategie inzwischen kritisch. Auffällig ist dabei die Diskrepanz zwischen dem deklarierten Vertrauen und den tatsächlichen Überlegungen im Hintergrund: 19,9 Prozent geben an, dass ihr Vertrauen in US-Anbieter gesunken ist – bleiben aber vorerst aus Alternativlosigkeit. Nur ein Drittel der Befragten fühlt sich in der bisherigen Cloud-Welt wirklich sicher.

Vor allem der öffentliche Sektor (65,2 Prozent) und das Gesundheitswesen (33,3 Prozent) zeigen sich offen für einen Strategiewechsel. Hier geht es längst nicht mehr nur um Datenschutz oder geopolitische Spannungen – sondern um die strukturelle Frage, ob digitale Souveränität überhaupt möglich ist, solange man auf US-Dienste angewiesen bleibt.

Exit-Gedanken nehmen Fahrt auf

Tatsächlich prüfen 48,4 Prozent der Unternehmen eine Neuorientierung – fast jedes zweite also. Mehr als 22 Prozent geben an, bereits aktiv nach europäischen Alternativen zu suchen. Weitere 26,1 Prozent beobachten die Entwicklung aufmerksam und halten einen Exit für möglich. Erste Schritte sind längst sichtbar: 11,4 Prozent der Befragten ziehen sich aktiv zurück, 3,8 Prozent haben sich schon vollständig von US-Clouds verabschiedet.

Besonders ausgeprägt sind diese Tendenzen bei Unternehmen mittlerer Größe. Unter jenen mit 2.000 bis 4.999 Mitarbeitenden planen ein Viertel bereits konkret den Abschied oder haben ihn vollzogen. In der Kategorie zwischen 99 und 1.999 Mitarbeitenden sind es knapp 20 Prozent. Hier zeigt sich: Mittelständische Unternehmen sind oft beweglicher und entschlossener als große Konzerne – vor allem, wenn es um langfristige technologische Unabhängigkeit geht.

IT-Abteilungen machen Druck

Eine weitere zentrale Erkenntnis der Studie: Die Initiative zum Umdenken kommt in erster Linie aus den IT-Abteilungen. IT-Entscheider ziehen mit 13,4 Prozent deutlich häufiger einen Exit in Betracht als Business-Verantwortliche (9,6 Prozent). Das zeigt, dass technisches Risikobewusstsein in vielen Unternehmen weiter ausgeprägt ist als strategische Weitsicht. Umso wichtiger wäre es, diese beiden Perspektiven stärker zu verzahnen.

Gleichzeitig belegt die Umfrage: Ein Drittel der Unternehmen hält einen vollständigen Abschied von der US-Cloud für undenkbar. Das unterstreicht die technologische und vertragliche Verflechtung vieler IT-Infrastrukturen – und zeigt, wie groß der Markt für europäische Alternativen tatsächlich ist, wenn sie wirtschaftlich und technologisch konkurrenzfähig sind.

Fazit: Zeit zum Handeln

Die aktuelle Lage eröffnet Chancen – für IT-Anbieter in Europa ebenso wie für Unternehmen, die mehr digitale Souveränität anstreben. Das Interesse am Exit ist da, ebenso wie der Druck von innen. Wer jetzt intelligente, sichere und datenschutzkonforme Alternativen anbietet, trifft auf offene Ohren. Der Weg raus aus der US-Cloud mag komplex sein. Doch die Bereitschaft zum Umdenken ist größer denn je.

Eperi Umfrage 2025

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