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Blinde Flecken in Cyberabwehr und KI: Warum dringend mehr Frauen gebraucht werden

Wer bei der Personalsuche stets dieselben Profile bevorzugt, riskiert auch dieselben blinden Flecken. In der Cybersicherheit und bei künstlicher Intelligenz geht es deshalb um mehr als offene Stellen: um die Fähigkeit, Risiken aus unterschiedlichen Perspektiven zu erkennen.

2 Min. Lesezeit
Ein Team von Fachleuten geht durch ein modernes Rechenzentrum, umgeben von Reihen von Servern.
Foto: ©AdobeStock/olga

Der Fachkräftemangel in der Cybersicherheit wirft eine Frage auf, die über die Zahl verfügbarer Bewerbungen hinausgeht: Welche Fähigkeiten erkennen Unternehmen überhaupt als relevant an? Wer vor allem vertraute Karrierewege und eng definierte Anforderungsprofile berücksichtigt, kann geeignete Talente übersehen. Das betrifft auch Frauen – und damit Perspektiven, die bei der Entwicklung von Schutzmaßnahmen und künstlicher Intelligenz (KI) fehlen können.

Irina Tolda, Channel Director für Deutschland, Österreich und die Schweiz (DACH) bei Filigran, sieht darin ein Versäumnis der Personalgewinnung: „Gleichzeitig lassen wir einen erheblichen Teil des verfügbaren Potenzials ungenutzt, weil wir weiterhin an traditionellen Karrierewegen und starren Anforderungsprofilen festhalten.“

Wenn ähnliche Denkweisen Risiken verdecken

Für die Cyberabwehr ist die Zusammensetzung eines Teams auch eine fachliche Frage. Bei der Modellierung von Bedrohungen, im Produktdesign und in der Risikoabschätzung müssen Teams Annahmen prüfen: Welche Angriffswege halten sie für plausibel? Welche Nutzungsszenarien berücksichtigen sie? Welche Risiken bleiben außerhalb ihres Blickfelds?

Einat Argon, Manager Customer Success bei Filigran, beschreibt die Aufgabe so: „Cybersicherheit ist im Kern die Disziplin, vorauszusehen, was andere übersehen werden. Dennoch entwickeln wir viele unserer Abwehrmaßnahmen, und übrigens auch Künstliche Intelligenz, in Umgebungen, in denen alle dazu neigen, dieselben Fragen zu stellen.“

Hier klaffe die eigentliche Perspektivlücke: „Es geht nicht darum, lediglich Kennzahlen im Bereich der Diversität zu erfüllen, sondern es geht darum, die blinden Flecken, die uns bei der Modellierung von Bedrohungen, dem Produktdesign und der Risikoabschätzung noch immer zurückhalten, zu identifizieren und zu adressieren.“

Mehr Frauen einzubeziehen bedeutet dabei nicht, ihnen eine einheitliche Denkweise zuzuschreiben. Der fachliche Anspruch besteht vielmehr darin, den Kreis der Erfahrungen und Kompetenzen zu erweitern, auf deren Grundlage Sicherheitsentscheidungen entstehen. Eine vielfältigere Besetzung allein ersetzt allerdings weder technische Expertise noch die systematische Prüfung von Annahmen.

KI kann einseitige Annahmen vervielfachen

Mit dem Einsatz von KI gewinnt diese Frage zusätzliche Bedeutung. Narinder Kapoor Shetge, Sales Director DACH bei Filigran, warnt: „Wenn alle gleich denken, besteht die Gefahr, dass diese Denkmuster durch KI automatisiert und in großem Maßstab verstärkt werden.“

Damit richtet sich der Blick auf die Menschen, die Systeme entwickeln und ihren Einsatz gestalten. Welche Annahmen in diese Arbeit einfließen und welche Fragen unbeantwortet bleiben, gehört zur Bewertung ihrer Risiken. Technische Leistungsfähigkeit allein beantwortet diese Fragen nicht. Shetge bringt den Anspruch an Sicherheitsteams auf eine kurze Formel: „Angreifer sind kreativ und vielfältig. Unsere Verteidigung muss es auch sein.“

Nachwuchsgewinnung braucht einen breiteren Blick

Für die Personalsuche folgt daraus, Qualifikationen stärker an den tatsächlichen Aufgaben auszurichten. Argon berichtet aus ihrer Zusammenarbeit mit Sicherheitsteams in Europa, dem Nahen Osten und Afrika, dass leistungsfähige Teams technische Kenntnisse mit der Fähigkeit verbinden, Risiken in geschäftliche Entscheidungen zu übersetzen. Ihre Mitglieder kämen aus unterschiedlichen Bereichen.

Wenn KI zunehmend repetitive Aufgaben übernimmt, rücken aus ihrer Sicht Urteilsvermögen, Kontextverständnis und Kommunikation stärker in den Vordergrund. Diese Fähigkeiten bei Auswahl und Entwicklung von Beschäftigten zu berücksichtigen, eröffnet zusätzliche Zugänge zum Berufsfeld.

Mary D’Angelo, Senior Solutions Lead bei Filigran und Mitbegründerin von Women in Cyber Threat Intelligence (WCTI), verbindet die Beteiligung von Frauen mit einem konkreten Sicherheitsanspruch: „Da Angreifern schon ein einziger blinder Fleck reicht, brauchen wir Menschen, die diese aufdecken, indem sie neue Fragen stellen, bestehende Annahmen hinterfragen und das erkennen, was anderen entgeht.“

Irina Tolda, Channel Director DACH bei Filigran
Foto: Filigran

Irina Tolda, Channel Director DACH bei Filigran

Mary D’Angelo, Senior Solutions Lead bei Filigran
Foto: Filigran

Mary D’Angelo, Senior Solutions Lead bei Filigran

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