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Google verzeichnet zehnfachen Anstieg bei Anfragen für Datensouveränität

Die Nachfrage nach Googles Data Boundary-Service steigt um das Zehnfache. Unternehmen fordern mehr Datensouveränität und setzen auf lokale Cloud-Kontrolle. Gleichzeitig werden KI-Projekte erfolgreicher, da Firmen gezielter und strukturierter vorgehen.

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Redaktion (sf)

2 Min. Lesezeit
Datensicherheit und Lösungen Dezentral Hintergrund
Foto: ©AdobeStock/www.freund-foto.de

Die Nachfrage nach Googles Data Boundary-Service ist laut Hayete Gallot, Präsidentin für Customer Experience bei Google Cloud, um das Zehnfache gestiegen. Was früher ein Nischenbedürfnis war, entwickle sich zu einer Mainstream-Anforderung, sagte Gallot in einem Interview mit The Register während des Google Cloud Summit in London.

„Früher war es sehr speziell, jetzt sehen wir mehr Nachfrage“, erklärte die Managerin. Der Standard sei weiterhin die öffentliche Cloud, aber Kunden könnten zusätzlich Data Boundary anfordern. Diese Entwicklung spiegelt die wachsenden Bedenken von Unternehmen wider, wo ihre Daten gespeichert werden und wer Zugriff darauf haben könnte.

Google bietet laut Gallot drei Abstufungen für Datensouveränität an: Public Cloud mit Data Boundary ermöglicht Kunden die Kontrolle darüber, wo Daten verarbeitet und gespeichert werden. Bei der „Dedicated“-Variante erstellt Google eine Lösung, die ein vertrauenswürdiger lokaler Partner betreiben kann. Die „Air-Gap“-Option läuft vollständig auf der Hardware des Kunden und ist komplett von Googles Systemen getrennt.

KI-Projekte werden zielgerichteter und erfolgreicher

Parallel zur steigenden Nachfrage nach Datensouveränität beobachtet Google eine Verbesserung bei KI-Proof-of-Concept-Projekten. Gallot führt dies auf einen reiferen Umgang der Unternehmen mit KI-Technologie zurück.

„Vor zwei Jahren kamen Leute mit 150 oder mehr Szenarien zu mir, weil ‚KI ja so mächtig ist'“, berichtete die ehemalige Ingenieurin. Diesen Menschen habe es an einem Rahmenwerk gefehlt, um Geschäftsfälle zu bewerten. Das wahllose Ausprobieren von KI-Anwendungen führe selten zu gewünschten Ergebnissen.

Heute seien Unternehmen deutlich besser darin, die richtigen Fragen zu stellen und Szenarien zu filtern und zu priorisieren, so Gallot. Frühere Proof-of-Concept-Projekte seien nicht an mangelndem Interesse gescheitert, sondern an Problemen mit Sicherheit, Skalierbarkeit oder Kosten. Diese Hindernisse würden nun besser adressiert.

Entwickler bleiben trotz KI-Assistenten relevant

Trotz der zunehmenden Verbreitung von KI-Assistenten sieht Gallot keine Bedrohung für Entwickler-Jobs. Stattdessen würden sich die erforderlichen Fähigkeiten wandeln, ähnlich dem Erlernen einer neuen Programmiersprache.

„Um den richtigen Prompt zu erstellen, braucht man das richtige kritische Denken und muss die richtigen Fragen stellen können“, erklärte Gallot, die selbst Fortran gelernt hatte. Die kritischen Denkfähigkeiten, die Entwickler besitzen müssten, blieben immer notwendig. Früher hätten sie Code in Pascal geschrieben, heute seien es Prompts – aber das grundlegende Denken über das gewünschte Ergebnis bleibe dasselbe.

Verschlüsselung als Antwort auf Datenzugriff

Bei der Frage nach staatlichen Zugriffsanfragen setzt Google auf Verschlüsselung als Schutzmaßnahme. Wenn die US-Regierung im Rahmen des Cloud Act Zugriff auf Daten verlange, könne Google die Kunden benachrichtigen, falls diese die Verschlüsselungsschlüssel selbst verwalten, erklärte Gallot.

„Der Kunde hat die volle Kontrolle“, betonte sie. Allerdings räumte die Managerin ein, dass nicht jeder Kunde intern über die Fähigkeiten verfüge, Verschlüsselungsschlüssel richtig zu verwalten. Es handele sich um ein Geben und Nehmen.

Diese Herausforderung verdeutlicht die Komplexität des Themas Datensouveränität. Während Googles Air-Gap-Lösung durch vollständige Trennung maximale Sicherheit bietet, erfordert sie auch entsprechende technische Expertise beim Kunden. Microsoft hatte im Juli eingeräumt, Datensouveränität für Kunden nicht garantieren zu können, falls die US-Regierung Zugriff auf Serverdaten fordere.

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