Datensicherung im Wandel – Strategien für mehr Resilienz in Unternehmen
Datensicherung ist heute zentraler Bestandteil der Unternehmenssicherheit. Angesichts von NIS2, Ransomware und Insider-Bedrohungen müssen Unternehmen ihre Backup-Strategien neu denken. Der Beitrag beleuchtet wichtige Begriffe, bewährte Verfahren und Trends für eine zukunftssichere Datensicherung.

Datensicherung umfasst das Erstellen von Kopien geschäftskritischer Daten, um deren Wiederherstellung nach Verlust, Beschädigung oder unbefugtem Zugriff zu gewährleisten. Ziel ist es, Geschäftsprozesse auch nach einem Vorfall schnell und ohne Datenverlust fortsetzen zu können. Eine durchdachte Sicherungsstrategie berücksichtigt dabei technische Aspekte wie Wiederherstellungsziele (RTO, RPO), ebenso wie organisatorische und regulatorische Rahmenbedingungen. Flexible Backup-as-a-Service (BaaS)-Optionen etwa helfen Unternehmen, sich schnell von Datenverlusten zu erholen.
Warum Unternehmen auf zuverlässige Backups setzen müssen
Die Bedrohungslage ist eindeutig: Cyberangriffe nehmen stetig zu, ebenso die Zahl menschlicher Fehler – beide zählen zu den Hauptursachen für Datenverluste. Laut IBM betrugen die durchschnittlichen Kosten eines Datenschutzvorfalls im Jahr 2024 weltweit 4,88 Millionen US-Dollar – ein Anstieg um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Neben direkten Kosten drohen Betriebsunterbrechungen, Kundenabwanderung und Imageschäden.
Auch gesetzliche Vorschriften wie die Datenschutz-Grundverordnung, HIPAA oder die neue NIS2-Richtlinie erhöhen den Druck auf Unternehmen, robuste Sicherungskonzepte nachzuweisen. NIS2 verpflichtet künftig auch kleine und mittlere Unternehmen dazu, umfassende Maßnahmen zur Cyber-Resilienz umzusetzen. In Deutschland hinkt die gesetzliche Umsetzung zwar noch hinterher, doch ein Inkrafttreten wird für Herbst 2025 erwartet. Unternehmen sollten die Richtlinie als Anlass nehmen, bestehende Backup-Konzepte auf den Prüfstand zu stellen.
Cloud, Vor-Ort oder Hybrid? – Backup-Ansätze im Vergleich
Die Wahl des Backup-Modells hängt von individuellen Anforderungen, Sicherheitsvorgaben und Budgets ab:
Cloud-Backup:
Skalierbar, ortsunabhängig und ohne große Anfangsinvestitionen. Nachteile sind potenzielle Latenz, Abhängigkeit vom Anbieter und höhere Anforderungen an die Datensicherheit.
Lokales Backup:
Bietet Kontrolle und schnelle Wiederherstellung. Nachteilig sind hohe Wartungskosten und Risiken bei Standortausfällen.
Hybride Lösungen:
Kombinieren das Beste aus beiden Welten. Kritische Daten bleiben lokal, weniger sensible Daten wandern in die Cloud – ideal für Redundanz, Skalierbarkeit und Compliance.
Sicherungstypen im Überblick
Vollständige Sicherung:
Alle Daten werden vollständig kopiert – maximaler Schutz, aber hoher Speicherbedarf.
Inkrementelle Sicherung:
Speichert nur Änderungen seit der letzten Sicherung – effizient, aber komplexer bei der Wiederherstellung.
Differenzielle Sicherung:
Speichert alle Änderungen seit der letzten Vollsicherung – Kompromiss zwischen Speicherverbrauch und Wiederherstellungszeit.
Cloud-Sicherung:
Externe Speicherung mit Zugriff von überall – ideal für dezentrale Teams, aber abhängig von Internet und Sicherheit der Cloud.
Was eine starke Backup-Strategie auszeichnet
Eine zuverlässige Datensicherung ist weit mehr als nur das regelmäßige Kopieren von Dateien – sie ist ein strategisches Fundament für Resilienz, Compliance und Geschäftskontinuität. Drei zentrale Prinzipien bilden die Basis einer zukunftsfähigen Backup-Strategie.
Die 3-2-1-Regel – das Rückgrat jeder Sicherungsstrategie
Die klassische 3-2-1-Regel empfiehlt, drei Kopien der Daten auf mindestens zwei unterschiedlichen Speichermedien zu halten – wobei sich eine Kopie außerhalb des Unternehmens befinden sollte. Diese einfache Formel bietet ein hohes Maß an Ausfallsicherheit, da sie sowohl technische Defekte als auch physische Katastrophen berücksichtigt.
Automatisierung schützt vor Lücken
Je häufiger und konsistenter Backups durchgeführt werden, desto besser ist ein Unternehmen gegen Datenverlust gewappnet. Automatisierte Sicherungslösungen stellen sicher, dass Backups auch außerhalb der Geschäftszeiten zuverlässig erstellt werden – ganz ohne manuelle Eingriffe. Sie minimieren Fehlerquellen und sorgen für kontinuierlichen Schutz.
Sicherheit durch Verschlüsselung und Isolation
Sensible Daten gehören verschlüsselt – sowohl bei der Übertragung als auch im Ruhezustand. Moderne Backup-Lösungen bieten außerdem unveränderliche Speicher (Immutability), die sich nicht durch Ransomware manipulieren lassen. Wer zusätzlich auf Air-Gapped-Speicher setzt, trennt seine Sicherung physisch vom Netzwerk – ein wirksamer Schutz vor gezielten Angriffen.
Die häufigsten Fehler – und wie sie sich vermeide lassen
Trotz bester Absichten schleichen sich in vielen Unternehmen vermeidbare Fehler in die Sicherungspraxis ein.
Fehlende Tests führen zu bösen Überraschungen
Backups nützen wenig, wenn ihre Wiederherstellung im Ernstfall nicht funktioniert. Deshalb sollten regelmäßig Tests durchgeführt werden – idealerweise mit klar definierten Wiederherstellungszielen (RTO, RPO).
Alle Backups am selben Ort? Ein Risiko
Wer Sicherungskopien am gleichen Standort wie die Originaldaten speichert, setzt sich im Katastrophenfall doppeltem Risiko aus. Mindestens eine Kopie gehört immer in ein externes Rechenzentrum oder in die Cloud.
Unverschlüsselte Sicherungen öffnen Tür und Tor
Ein oft unterschätzter Fehler: fehlende oder schwache Verschlüsselung. Besonders bei sensiblen Informationen ist es entscheidend, alle Sicherungskopien wirksam vor unbefugtem Zugriff zu schützen.
Passende Lösungen für jede Unternehmensgröße
Nicht jedes Unternehmen braucht eine komplexe Hochverfügbarkeitslösung – aber jedes Unternehmen braucht eine passende. Für Freiberufler und kleine Teams bieten Dienste wie Google Drive oder OneDrive einfache und kostengünstige Möglichkeiten zur Datensicherung. Sie schützen persönliche und geschäftliche Daten ohne großen Aufwand.
Kleine und mittlere Unternehmen profitieren von Backup-Architekturen, die lokale Speicherlösungen mit Cloud-Anbindung kombinieren. Geeignete Lösungen bieten dabei eine gute Balance zwischen Sicherheit, Flexibilität und Kostenkontrolle. Große Unternehmen mit komplexen Infrastrukturen setzen auf skalierbare Systeme mit Vor-Ort- und Cloud-Komponenten. Nur so lassen sich regulatorische Anforderungen wie NIS2, DORA oder ISO 27001 zuverlässig erfüllen und gleichzeitig Datenverfügbarkeit sowie Cyber-Resilienz auf hohem Niveau sicherstellen.
Trends in der Datensicherung
Mit dem rasanten technologischen Fortschritt verändern sich auch die Anforderungen und Möglichkeiten in der Datensicherung. Drei Entwicklungen stechen besonders hervor und werden die Backup-Strategien der kommenden Jahre maßgeblich prägen: Künstliche Intelligenz, Post-Quanten-Kryptografie und die zunehmende Verlagerung hin zur hybriden Arbeitswelt.
Intelligente Datensicherung durch Künstliche Intelligenz
Künstliche Intelligenz (KI) spielt eine immer wichtigere Rolle in modernen Backup-Systemen. KI-gestützte Lösungen analysieren kontinuierlich Systemzustände, Datenmuster und Nutzerverhalten, um potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen – etwa bevor eine Hardwarekomponente ausfällt oder eine Ransomware-Aktivität zuschlägt. Darüber hinaus helfen maschinelle Lernverfahren dabei, wichtige Daten automatisch zu priorisieren. Im Ernstfall sorgt das für deutlich verkürzte Wiederherstellungszeiten, da zuerst jene Daten verfügbar gemacht werden, die für den Geschäftsbetrieb am kritischsten sind.
Post-Quanten-Kryptografie – Vorbereitung auf den nächsten Umbruch
Die Entwicklung von Quantencomputern stellt bisherige Verschlüsselungsverfahren vor eine ernsthafte Herausforderung. Sobald diese Maschinen ausreichend leistungsfähig sind, könnten sie gängige kryptografische Algorithmen innerhalb kürzester Zeit brechen – auch solche, die aktuell zum Schutz von Backup-Daten eingesetzt werden. Aus diesem Grund arbeiten viele Anbieter bereits heute an sogenannten quantensicheren Verschlüsselungsverfahren. Diese Post-Quanten-Kryptografie basiert auf mathematischen Problemen, die auch von Quantencomputern nicht effizient gelöst werden können. Wer seine Datensicherung zukunftsfest machen will, sollte deshalb auf Anbieter achten, die diese Technologien frühzeitig integrieren.
Backup-Lösungen für eine hybride Arbeitswelt
Mit dem Siegeszug mobiler Arbeit und verteilten Teams hat sich auch die Architektur der Datensicherung grundlegend verändert. Wo früher zentrale Speicherorte dominierten, müssen heute auch Laptops, Tablets und Smartphones in Backup-Strategien einbezogen werden – unabhängig davon, von wo aus sie genutzt werden. Moderne Backup-Lösungen setzen deshalb verstärkt auf Cloud-first-Architekturen, die Daten automatisch von jedem Standort aus sichern können. Ergänzend kommt Endpoint-Schutz hinzu, der einzelne Geräte aktiv überwacht und absichert. Entscheidend ist dabei die zentrale Verwaltung: Nur wenn alle Geräte und Datenquellen in einer übergreifenden Plattform zusammengeführt werden, lassen sich Schutzmaßnahmen effizient steuern und Compliance-Vorgaben zuverlässig einhalten.
Datensicherung ist nicht mehr nur technische Pflicht, sondern ein strategisches Muss. Unternehmen, die ihre Backup-Konzepte modernisieren, sichern nicht nur ihre Daten, sondern auch ihre Zukunftsfähigkeit. Die NIS2-Richtlinie unterstreicht diesen Handlungsbedarf – und macht deutlich: Wer heute handelt, schützt morgen sein Geschäft.
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