Sicherheitsillusion statt Schutz:: DsiN-Index 2025 auf historischem Tief – digitale Spaltung wächst
Immer mehr Phishing-Angriffe, immer weniger Schutzverhalten: Der aktuelle DsiN-Sicherheitsindex 2025 zeigt eine bedenkliche Entwicklung. Über die Hälfte der deutschen Internetnutzer agiert digital nicht angemessen auf ihre Bedrohungslage. Experten warnen vor einer tiefgreifenden Spaltung der digitalen Gesellschaft.

Der neue DsiN-Sicherheitsindex 2025 zeigt ein deutliches Warnsignal: Trotz wachsender Cyberbedrohungen sinkt das Schutzniveau der Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland weiter. Der Index verharrt bei nur 55,7 Punkten – ein historischer Tiefstand. Gleichzeitig melden die Befragten so viele Sicherheitsvorfälle wie nie zuvor: Ein Drittel war im vergangenen Jahr von Phishing über Messenger betroffen, mehr als ein Viertel erhielt infizierte E-Mails.
Besonders brisant: Das Verunsicherungsgefühl ist so niedrig wie nie. Das bedeutet nicht etwa mehr digitale Souveränität, sondern vielmehr ein der Gewöhnung geschuldetes Wegsehen, obwohl die Risiken steigen. DsiN und das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz sehen darin ein alarmierendes Signal – und fordern neue Impulse für digitalen Selbstschutz.
Vertrauen ersetzt keine Kompetenz
Zentrales Thema der diesjährigen Studie ist das Vertrauen in digitale Angebote – und die Kluft zur tatsächlichen Handlung. Fast 80 Prozent messen dem Thema hohe Relevanz bei, doch nur ein Viertel beschäftigt sich aktiv damit. Gerade einmal 15,6 Prozent halten ihre digitalen Kompetenzen für ausreichend. Öffentliche Stellen genießen mit 63 Prozent das meiste Vertrauen, soziale Medien oder KI hingegen deutlich weniger.
Michael Weinzierl, Studienleiter bei Arix Research, warnt: „Wir beobachten eine zunehmende Wissens-Verhaltens-Schere. Viele wissen um Risiken und Schutzmaßnahmen – wenden sie aber im Alltag kaum noch an.“ Diese Diskrepanz untergräbt langfristig die digitale Widerstandsfähigkeit ganzer Bevölkerungsgruppen.
Eine Gesellschaft droht digital auseinanderzubrechen
Der Sicherheitsindex macht deutlich: Die digitale Gesellschaft spaltet sich in zwei Lager. Während sich ein Teil der Bevölkerung gezielt schützt, verharrt über die Hälfte im passiven oder fatalistischen Verhalten – ein Trend, der sich weiter verstärkt. Gerade vulnerable Gruppen laufen Gefahr, vom digitalen Fortschritt abgehängt zu werden.
DsiN-Geschäftsführerin Isabelle Rosière mahnt: „Digitale Risiken dürfen nicht zur Normalität werden. Nur mit gezielter, alltagsnaher Aufklärung und Bildung können wir digitale Mündigkeit ermöglichen – und so die Teilhabe sichern.“
Auch Unternehmen wie Kleinanzeigen, Partner der Studie, sehen sich zunehmend in der Pflicht. „Als digitaler Marktplatz müssen wir nicht nur sichere Plattformstandards setzen, sondern auch aktiv aufklären“, betont Kommunikationsleiter Pierre du Bois. Denn Vertrauen allein schützt nicht – digitale Souveränität entsteht durch Kompetenz und Aufklärung.
Die vollständige Studie steht hier als Download zur Verfügung.
Das Executive Summary zur Studie gibt es hier.
Die digitale Bedrohungslage in Deutschland wächst weiter, doch immer weniger Menschen schützen sich aktiv. Das zeigt der neue DsiN-Sicherheitsindex 2025, den Deutschland sicher im Netz e. V. (DsiN) gemeinsam mit dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) vorgestellt hat.

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