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Vom KI-Hype zur vertrauenswürdigen Autonomie der Cyberresilienz 2026

Agentenbasierte Künstliche Intelligenz, Datensouveränität und Identitätsangriffe verändern Cyberresilienz grundlegend. 2026 entscheiden neue Architekturen, Kennzahlen und Vertrauensmodelle darüber, ob Datensicherung und Recovery zum Risiko oder zum strategischen Vorteil werden.

3 Min. Lesezeit
Globale Cyberresilienz
Foto: ©AdobeStock/Rosi

Disruptive Technologien verschieben die Maßstäbe für Datensicherheit, Datensicherung und Wiederherstellung. Künstliche Intelligenz (KI) wird produktiv, Identitäten werden zum Hauptangriffsziel und regulatorische Anforderungen erhöhen den Druck. Für 2026 zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab: Weg vom reinen Schutz einzelner Systeme, hin zu nachweislich vertrauenswürdiger Autonomie über Daten, Identitäten und Wiederherstellung hinweg.

Vom Experiment zum Businessstandard

Die Integrität von KI und der zugrunde liegenden Daten wird zur Voraussetzung für Resilienz. Es reicht nicht mehr, Systeme wiederherzustellen. Auch Modelle, Trainingsdaten und Entscheidungsgrundlagen müssen überprüfbar und rekonstruierbar sein. Ist das Wissen selbst beschädigt, scheitert jede Recovery.

Gleichzeitig verändert KI die Bedienung von Sicherheits- und Backup-Plattformen. Statt komplexer Dashboards steuern Teams ihre Resilienz zunehmend dialogbasiert. In natürlicher Sprache lassen sich Schutzrichtlinien prüfen, Workloads absichern oder Wiederherstellungen in Software-as-a-Service-, Multi-Cloud- und Hybridumgebungen validieren. Der Mehrwert entsteht weniger durch Automatisierung als durch intuitive Kontrolle.

Cloud-Souveränität als Flexibilitätsstrategie

Datensouveränität wird zur strategischen Leitplanke. Analysten von Forrester erwarten, dass bis Ende nächsten Jahres fünfzig Prozent der Unternehmen regionale Infrastrukturen priorisieren. Souveränität bedeutet jedoch nicht Abschottung, sondern Wahlfreiheit.

Unternehmen müssen entscheiden können, wo sie Daten sichern: lokal, in einer Private Cloud, in regionalen Hyperscaler-Umgebungen oder global verteilt. Voraussetzung sind Transparenz über Zugriffsrechte, grenzübergreifende Wiederherstellbarkeit sowie konsequente Verschlüsselung. Compliance entsteht dadurch nicht nachträglich, sondern als Folge souveräner Architekturentscheidungen und wird 2026 zum Wettbewerbsfaktor.

Identität als unsichtbare Infrastruktur der Resilienz

In offenen, vernetzten Ökosystemen wird Identität zur zentralen Sicherheitsgröße. Jedes Privileg, ob menschlich oder maschinell, ist ein potenzielles Angriffsziel. Laut International Data Corporation (IDC) werden Unternehmen Identitäten, Daten und Wiederherstellungsrichtlinien deshalb in einem gemeinsamen Sicherheitsansatz bündeln.

Recovery wird damit zur Vertrauensfrage. Wer Identitätssysteme verifizieren und zuverlässig wiederherstellen kann, schützt kritische Prozesse. Das gilt besonders für Szenarien, in denen KI autonom mit KI kommuniziert. Bevor Agenten handeln, müssen sie wissen, mit wem sie interagieren.

Datenräume als Fundament vertrauenswürdiger KI

Viele Initiativen scheitern nicht an fehlenden Daten, sondern am unsicheren Zugriff auf vorhandene Informationen. Historische Daten werden vom Archiv zum strategischen Gut. Ausfallsichere, auf Souveränität gerichtete Datenräume werden daher zum Erfolgsfaktor: Sie verbinden mit sicheren Umgebungen verwaltete Backup-Daten direkt mit KI-Plattformen und Data Lakes – ohne riskante, ad-hoc-ETL-Workflows. Informationen werden nun zu sauberen und KI-fähigen Daten. Sie sind klassifiziert, kompliant und ihre Herkunft ist bekannt.

Vertrauen wird zur Währung digitaler Infrastrukturen

Governance, Souveränität und Resilienz verschmelzen zu einem gemeinsamen Auftrag: Vertrauenswürdigkeit nachweisen. Führungsgremien verlangen belastbare Metriken, Audit-Trails und validierte Wiederherstellungen in digitalen Reinräumen.

Laut IDC wird bis 2030 die Hälfte des digitalen Werts in Europa von Unternehmen stammen, die KI verantwortungsvoll skalieren. Dieses Vertrauen ruht auf drei Säulen:

  • Resilienz: Integrität von Künstlicher Intelligenz und Datenpipelines
  • Souveränität: rechtmäßige Kontrolle über alle Datenflüsse
  • Quantenbereitschaft: Schutz heutiger Daten vor zukünftigen Postquantenangriffen

Neue Kennzahlen für Backup und Recovery

Klassische Zielgrößen wie RTO (Recovery Time Objective) und RPO (Recovery Point Objective) messen Geschwindigkeit, nicht Vertrauenswürdigkeit. Wer Daten ungeprüft wiederherstellt, riskiert erneut kompromittierte Systeme und einen Kreislauf aus Ausfällen.

Deshalb etabliert sich die Kennzahl Mean Time to Clean Recovery (MTCR), also die durchschnittliche Zeit bis zur sauberen, validierten Wiederherstellung aller kritischen Anwendungen, Systeme und Daten. Sie zwingt Organisationen, Recovery neu zu denken: nicht nur schnell, sondern überprüfbar, integer und realistisch planbar.

2026 wird damit klar: Cyberresilienz misst sich nicht mehr allein an Technik. Vertrauen in Daten, Identitäten und Wiederherstellung wird zur entscheidenden Währung digitaler Autonomie.

Porträt Darren Thomson
Foto: Commvault

Darren Thomson, Vice President and Chief Technology Officer (Field) EMEAI bei Commvault

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