IT-Ausfälle: Deutschlands Unternehmen zahlen einen hohen Preis
48 Millionen US-Dollar jährlich: So hoch liegen die hochgerechneten Ausfallkosten der befragten deutschen Unternehmen im Median. Der Observability Forecast 2026 zeigt zugleich Überwachungslücken bei KI-Agenten und einen hohen Aufwand für die Störungsbehebung.

Wenn digitale Dienste ausfallen, fehlen nicht nur Einnahmen. Auch die Bearbeitung der Störungen bindet erhebliche Ressourcen: Deutsche Engineering-Teams verbringen laut New Relics Observability Forecast 2026 rund 30 Prozent ihrer Arbeitszeit damit, nach 28 Prozent im Vorjahr. Dennoch erfahren 44 Prozent der Unternehmen über manuelle Prüfungen oder Kundenbeschwerden von Problemen.
Observability soll solche Lücken schließen. Der Ansatz verknüpft Betriebsdaten, um den Zustand komplexer Anwendungen und die Ursachen von Störungen nachvollziehbar zu machen. Die Befragung zeigt jedoch: Zwischen diesem Anspruch und der betrieblichen Praxis bestehen erhebliche Defizite.
Hohe Kosten, häufige Ausfälle
Für die deutschen Teilnehmer liegen die auf zwölf Monate hochgerechneten Kosten gravierender IT-Ausfälle im Median bei 48 Millionen US-Dollar. Dieser Wert bezeichnet die Mitte der erhobenen Verteilung, keine Gesamtsumme für Deutschland. 43 Prozent beziffern die durchschnittlichen Umsatzeinbußen eines solchen Ausfalls auf mindestens eine Million US-Dollar pro Stunde.
Zwölf Prozent berichten von einem gravierenden Ausfall täglich, 31 Prozent von mindestens einem pro Woche. Für Europa, den Nahen Osten und Afrika (EMEA) nennt die Studie jährliche Ausfallkosten von 33 Millionen US-Dollar und durchschnittlich 1,57 Millionen US-Dollar je Ausfallstunde. Der deutsche Median und der als EMEA-Durchschnitt ausgewiesene Wert sind statistisch nur eingeschränkt vergleichbar.
Sicherheitsvorfälle prägen die Investitionen
Sicherheit und Compliance haben die Einführung künstlicher Intelligenz (KI) als wichtigsten Treiber für Observability-Ausgaben abgelöst. Deutsche Befragte nennen Netzwerkprobleme mit 36 Prozent und Sicherheitsvorfälle mit 31 Prozent als Hauptursachen für Störungen. Bei Sicherheitsvorfällen liegt der EMEA-Wert bei 23 Prozent. Weltweit stehen dagegen Ausfälle von Drittanbietern und Cloud-Providern an erster Stelle.
Klaus Kurz, Senior Director Solution Consulting bei New Relic, fordert einen Kurswechsel: „Reaktives Monitoring ist keine brauchbare Strategie mehr.“ Damit stellt er die bisherige Überwachungspraxis infrage: Probleme sollen nicht erst durch Beschwerden sichtbar werden.
KI-Agenten arbeiten häufig ohne Überwachung
84 Prozent der Befragten halten Observability angesichts KI-generierten Codes für unverzichtbar. Doch nur 44 Prozent setzen entsprechende Lösungen für KI-Anwendungen ein. Ein Viertel betreibt KI-Agenten in der Produktion ohne Monitoring. Gerade wenn diese Code schreiben, Konfigurationen ändern oder Infrastruktur verwalten, fehlen damit Einblicke in potenziell folgenreiche Aktionen.
Weltweit berichten 42 Prozent der Unternehmen mit überwachten Agenten von einem mindestens dreifachen Return on Investment (ROI) ihrer Observability-Ausgaben. Ohne Agentenüberwachung sind es 21 Prozent. Insgesamt melden 73 Prozent der Unternehmen mit überwachten Agenten mindestens den doppelten Ertrag. Die Selbstauskünfte zeigen einen Zusammenhang, belegen aber nicht, dass Monitoring allein den höheren ROI verursacht.
KI im IT-Betrieb, bezeichnet als Artificial Intelligence for IT Operations (AIOps), nutzen 31 Prozent der deutschen Befragten. Weitere 35 Prozent planen die Einführung binnen zwölf Monaten.
Gemeinsame Telemetrie bleibt eine Baustelle
OpenTelemetry (OTel) dient der Erfassung von Ablaufspuren, Metriken und Protokolldaten. Erst acht Prozent der deutschen Unternehmen haben ihre Prozesse standardisiert und nutzen OTel als primäres Erfassungsframework. Weitere 63 Prozent migrieren, evaluieren oder testen es; drei Prozent schließen eine Integration grundsätzlich aus.
Kurz empfiehlt, Unternehmen sollten „ihre Telemetrie mit OpenTelemetry modernisieren und AI Agents in der Produktion konsequent überwachen“. Die Empfehlung verbindet eine einheitliche Datenerfassung mit Kontrolle über automatisierte Eingriffe.
New Relic und Enterprise Technology Research befragten im April und Mai 2026 weltweit 2.575 IT- und Engineering-Verantwortliche sowie Anwender aus 24 Ländern und zwölf Branchen, darunter 147 in Deutschland. Die regionale Auswertung umfasst 750 Teilnehmer aus 15 Ländern. Die Ergebnisse beschreiben deren Erfahrungen und Einschätzungen; sie sind keine Vollerhebung der deutschen Wirtschaft.
Der globale Observability Forecast 2026 steht hier zum kostenlosen Download bereit.

Klaus Kurz, Senior Director Solution Consulting, CE/EE/MENA, bei New Relic.
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