Promi-Krypto-Tipps als Köder: : Globales Malvertising auf dem Vormarsch
Gefälschte Investmentempfehlungen von Herbert Grönemeyer oder Hasso Plattner locken Opfer in groß angelegte Onlinebetrügereien. Eine aktuelle Analyse zeigt: Hunderte koordinierte Malvertising-Kampagnen verbreiten weltweit Fake-Anzeigen, die gezielt in Anlagebetrug führen.

Malvertising entwickelt sich zu einer global organisierten Betrugsindustrie. Sicherheitsforscher der Bitdefender Labs haben 310 koordinierte Kampagnen analysiert, die zwischen dem 9. Februar und 5. März 2026 aktiv waren. Die Kampagnen liefen in 25 Ländern auf sechs Kontinenten und wurden in mehr als fünfzehn Sprachen ausgespielt. Hinter den Anzeigen stehen nach Einschätzung der Forscher mindestens zwei bis drei cyberkriminelle Gruppen, die ihre Betrugsstrategie über mehr als 26.000 bezahlte Facebook-Anzeigen verbreiten.
Prominente als Lockmittel
Die Täter setzen gezielt auf Vertrauen und Bekanntheit. Anzeigen sind häufig als scheinbar seriöse Nachrichtenmeldungen gestaltet und nutzen prominente Namen als Köder. In einzelnen Fällen wurde etwa mit angeblichen Investmentempfehlungen von Musiker Herbert Grönemeyer oder mit vermeintlichen Bitcoin-Tipps von SAP-Mitgründer Hasso Plattner geworben.
Andere Anzeigen versprechen exklusive Skandalberichte, politische Enthüllungen oder Interviews, die angeblich bald gelöscht werden sollen. Derartige Inhalte sollen Neugier und Zeitdruck erzeugen. Nach dem Klick auf die Anzeige gelangen Nutzer zunächst auf eine scheinbar journalistische Seite, bevor sie auf eine angebliche Handelsplattform weitergeleitet werden.
Vom Werbebanner zum Anlagebetrug
Der eigentliche Betrug beginnt meist nach der Registrierung auf der Plattform. Opfer geben persönliche Daten und Kontaktdaten ein und werden anschließend innerhalb kurzer Zeit telefonisch kontaktiert. Die Anrufer geben sich als Broker oder Finanzberater aus und versuchen, Vertrauen aufzubauen.
Parallel präsentieren die Täter ein professionell wirkendes Online-Dashboard, das angebliche Gewinne in Echtzeit anzeigt. Tatsächlich handelt es sich um manipulierte Oberflächen ohne realen Handel. Ziel ist es, die Opfer zu immer weiteren Einzahlungen zu bewegen.
Sobald größere Beträge investiert wurden, steigt der Druck. Rückzahlungen werden verzögert oder an zusätzliche Gebühren geknüpft. In vielen Fällen verlieren Betroffene schließlich ihr gesamtes eingesetztes Kapital.

Herbert Grönemeyer empfiehlt angeblich eine Investmentplattform.
Russische Spur in der Infrastruktur
Die technische Analyse der Infrastruktur deutet laut Bitdefender auf einen russischsprachigen Hintergrund der Kampagnen hin. Hinweise auf staatliche Beteiligung gibt es jedoch nicht. Vielmehr handelt es sich offenbar um organisierte cyberkriminelle Gruppen, die ihre Aktivitäten weltweit skalieren.
Die Untersuchung zeigt auch, wie professionell diese Netzwerke inzwischen arbeiten. Anzeigen, Domains, Landingpages und Kommunikationsprozesse sind eng miteinander verzahnt und lassen sich schnell an unterschiedliche Länder und Sprachen anpassen.
Wachsamkeit bleibt der beste Schutz
Für Verbraucher bleibt deshalb vor allem eines entscheidend: Skepsis gegenüber vermeintlich exklusiven Investmentangeboten im Internet. Anzeigen, die hohe Gewinne mit starkem Zeitdruck versprechen, sind ein typisches Warnsignal.
Vor einem Klick sollten Nutzer die angezeigte Internetadresse genau prüfen. Tippfehler oder ungewöhnliche Domainendungen wie .top, .info oder .xyz können Hinweise auf betrügerische Seiten sein. Auch spezielle Analysewerkzeuge wie Betrugserkennungsdienste können helfen, verdächtige Links oder Nachrichten zu überprüfen.
Ebenso wichtig sind aktuelle Sicherheitslösungen auf Computern und Smartphones. Denn je professioneller Malvertising-Kampagnen werden, desto wichtiger wird eine Kombination aus technischer Absicherung und kritischem Nutzerverhalten.
Die ausführliche Analyse der Bitdefender Labs findet sich hier.
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