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Digital Networks Act:: Der nächste große Schritt zur digitalen Souveränität

Mit dem Digital Networks Act will die Europäische Kommission Europas Netzwerkinfrastruktur zukunftssicher machen. Der neue Gesetzesvorschlag soll Investitionen beschleunigen, Regeln vereinheitlichen und Cybersicherheit stärken. Bei Letzterem rückt besonders der Schutz der Nutzer verstärkt ins Zentrum.

2 Min. Lesezeit
Leuchtende Netzwerkinfrastruktur
Foto: ©AdobeStock/Phongsri

Am 21. Januar 2026 hat Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie, den Digital Networks Act (DNA) vorgestellt. Der Rechtsakt soll den bisherigen Europäischen Kodex für elektronische Kommunikation aus dem Jahr 2018 ablösen und den regulatorischen Rahmen an die Realität hochvernetzter digitaler Infrastrukturen anpassen.

Ziel ist ein einheitliches Regelwerk für Glasfaser, Mobilfunk der fünften und sechsten Generation, Cloud-Infrastrukturen sowie satellitengestützte Netze. Damit will die Europäische Union Investitionen erleichtern, Fragmentierung abbauen und ihre digitale Souveränität stärken. Anders als der Digital Services Act (DSA) oder der Digital Markets Act (DMA) konzentriert sich der neue Vorschlag ausschließlich auf Netze, Konnektivität und deren Regulierung, nicht auf Inhalte oder Plattformmärkte.

Der Gesetzesvorschlag befindet sich noch am Anfang des europäischen Gesetzgebungsverfahrens. Erst nach Beratungen im Europäischen Parlament und im Rat der Europäischen Union wird feststehen, wie der endgültige Text aussieht, wann er in Kraft tritt und welche konkreten Pflichten auf Unternehmen zukommen.

Europäische Kommission macht Cybersicherheit zur Chefsache

Besonders deutlich wird der neue Kurs beim Schutz der Endnutzer. Artikel 284 des Digital Networks Act ist vollständig der Abwehr betrügerischer Aktivitäten gewidmet. Genannt werden unter anderem Phishing, Betrugsversuche über Kurznachrichtendienste und Manipulationen von Rufnummern. Die Kommission erkennt damit an, dass mit dem Ausbau einer europäischen Gigabit-Infrastruktur nicht nur Netze, sondern vor allem die Menschen geschützt werden müssen, die sie nutzen.

Matt Cooke, Cybersecurity-Stratege bei Proofpoint, sieht darin einen grundlegenden Wandel: Digitale Resilienz werde nicht länger nur technisch definiert, sondern auf menschlicher Ebene. Cyberkriminelle nutzten Künstliche Intelligenz, um Social-Engineering-Angriffe zu entwickeln, die klassische Schutzmechanismen umgehen und gezielt Mitarbeiter angreifen, die kritische Dienste betreiben.

Nach Einschätzung Cookes ist der Aufbau eines vertrauenswürdigen digitalen Ökosystems daher eine Aufgabe auf Vorstandsebene. Die Zeitspanne zwischen einem erfolgreichen Betrugsversuch und massiven Störungen im Geschäftsbetrieb sei inzwischen extrem kurz. Unternehmen müssten den menschlichen Faktor in den Mittelpunkt stellen und integrierte Schutzkonzepte einsetzen, um der wachsenden Welle automatisierter Täuschungsmanöver standzuhalten.

Mit dem Digital Networks Act macht die Europäische Kommission deutlich, dass Netzinfrastruktur, Cybersicherheit und wirtschaftliche Stabilität untrennbar miteinander verbunden sind. Der Gesetzesvorschlag ist damit nicht nur ein technisches Regelwerk, sondern ein politisches Signal: Die Sicherheit digitaler Netze ist eine strategische Frage für Europas Zukunft.

Der vollständige Text sowie die Details des Vorschlags sind auf der hier abrufbar.

Porträt Matt Cook
Foto: Proofpoint

„Die Verwirklichung des von der EU geforderten ‚vertrauenswürdigen digitalen Ökosystems‘ ist eine Aufgabe auf Vorstandsebene und keine reine IT-Aufgabe“, so Matt Cooke, Cybersecurity-Stratege bei Proofpoint.

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